
Auf dem Weg zur Europameisterschaft sorgte Kroatiens Nationalmannschaft im November 2007 für Erheiterung und Häme in einem Großteil der Fußballwelt. Im Londoner Wembleystadion besiegte das Team von Slaven Bilic England mit 3:2 und beendete damit alle Euro-Träume der "Three Lions". Ein Sieg, der umso beeindruckender wird, wenn man bedenkt, dass Kroatien zu diesem Zeitpunkt längst für die Euro 2008 qualifiziert war, das Match also nur noch ein besseres Freundschaftsspiel war.
"Wunderbar", jubelte Verbandspräsident Vlatko Markovic angesichts des Sieges, erinnerte aber gleich an die bevorstehden Aufgaben: "Wir müssen schauen, dass es nicht dabei bleibt." Was er damit meint: Euro 2004, WM 2002 und 2006 - mit Bravour stürmte Kroatien jeweils durch die Qualifikation. In den Turnieren selbst war dann aber immer in der Vorrunde Schluss. Nur einmal ließ Kroatien aufhorchen: Bei der Weltmeisterschaft 1998 in den USA wurde Deutschland im Viertelfinale eindrucksvoll mit 3:0 demontiert. Seitdem warten die Adriakicker auf einen ähnlichen Erfolg bei einem großen Turnier.
Jungtrainer Bilic soll für den Aufschwung sorgen. Nach der WM 2006 übernahm der 40-Jährige das Team. Offensiver und variabler als unter Vorgänger Zlatko Kranjcar präsentiert sich die Mannschaft seitdem. Zudem holte der ehemalige U21-Trainer zahlreiche seiner ehemaligen Schützlinge in die A-Nationalmannschaft. Und dennoch bereitete ihm sein Euro-Kader Kopfzerbrechen. Einer der wichtigsten Spieler fehlte: Stürmer Eduardo vom FC Arsenal London fiel wegen eines Schien- und Wadenbeinbruchs aus. Der gebürtige Brasilianer erzielte in der Qualifikation zehn der 28 kroatischen Tore.
Ersatz holt sich Bilic in der Bundesliga. Ivica Olica vom Hamburger SV und der Dortmunder Mladen Petric waren Kandidaten im Sturm. In der Abwehr setzte Bilic auf "Reservespieler". Dortmunds Robert Kovac und der Mailänder Dario Simic zählen in ihren Klubs nicht zu den Stammkräften, bei Kroatien sind sie als Innenverteidiger gesetzt. "In der Nationalmannschaft haben sie immer gut gespielt", sagt Bilic lapidar. Was soll er auch sonst sagen? Egal mit welchen Spielern - Bilic kennt die Erwartungen seines Verbandspräsidenten, sein Stürmer Petric bringt es auf den Punkt: "Wir müssen uns auf jeden Fall für das Viertelfinale qualifizieren."
Das erreichte Bilic dann sogar mit Bravour: Gruppensieg vor Deutschland. Doch im Viertelfinale konnten die Kroaten in keiner Weise an die Leistungen der Vorrunde anknüpfen - und scheiterten im Elfmeterschießen an der Türkei.