Kanada beendet deutschen Halbfinal-Traum

Aus im Viertelfinale bei der Eishockey-WM

Kanada beendet deutschen Halbfinal-Traum

Von Christian Hornung

Alles gegeben, alles versucht - aber überragend verteidigende Kanadier haben Deutschlands Halbfinal-Traum bei der Eishockey-Heim-WM beendet. Den DEB-Cracks fehlte einfach die Durchschlagskraft.

Die fünfte Minute im Schlussdrittel offenbarte das gesamte deutsche Dilemma bei diesem unglücklichen, aber letztlich nicht unverdienten 1:2 (0:1, 0:1, 1:0) gegen das Eishockey-Mutterland vor 16.653 Zuschauern in Köln. Erst spielte der aus der NHL nachgereiste DEB-Star Leon Draisaitl wunderbar den aufgerückten Abwehrchef Christian Ehrhoff frei, doch der setzte den Schuss freistehend am rechten Winkel vorbei.

Schütz gegen den Helm von Pickard

Jubel bei Kanada, Frust beim DEB-Team

Sekunden danach wackelten die Kanadier erneut für wenige Sekunden: Wieder war es Draisaitl mit einem Traumpass, diesmal hatte Felix Schütz völlig freie Schussbahn, knallte den Puck dem kanadischen Keeper Kevin Pickard aber gegen den Helm. Kurz danach machte sich angesichts all dieser ausgelassenen Chancen Frust breit: David Wolf leistete sich einen Check im Kopfbereich und wurde für zehn Minuten auf die Strafbank verbannt.

Auch danach versuchten es die Spieler von Bundestrainer Marco Sturm weiter mit unbändigem Einsatz. Und selbst nach einer weiteren Strafe wegen eines Wechselfehlers acht Minuten vor der Schlusssirene schwanden Glaube und Hoffnung an ein Comeback immer noch nicht. Den Lohn gab es in der 53. Minute - sogar in Unterzahl. Ehrhoff passte den Puck perfekt in die Tiefe, Yannic Seidenberg umkurvte Pickard und schob zum Anschlusstreffer ein.

Grubauer rettete mehrfach

Dass die Kanadier trotz dieser unglaublichen Energieleistung der Deutschen im Halbfinale stehen, geht aber unter dem Strich in Ordnung. Neben den Gegentoren durch Mark Scheifele (17.) und Jeff Skinner (38.) musste Philipp Grubauer im deutschen Tor eine Weltklasseleistung zeigen, um sein Team überhaupt bis zur Schlusssirene im Spiel zu halten.

Auf der anderen Seite räumte die kanadische Defensive schon im Mitteldrittel derart rigoros ab, dass der WM-Gastgeber im zweiten Durchgang erst in den allerletzten Minuten zum ersten Torschuss in diesem Abschnitt kam - beinahe hätte Pickard also 20 Minuten in Folge nicht einen einzigen Puck auf sein Gehäuse bekommen.

"Haben es Kanada zu leicht gemacht"

"Wir haben es Kanada lange Zeit zu leicht gemacht, weil wir die Pucks zu schnell wieder hergegeben haben", ärgerte sich Yannic Seidenberg. "So hatte Kanada viel zu oft die Scheibe, wir sind ständig hintergelaufen und hatten es schwer, Chancen zu kreieren."

Keeper Grubauer gab zu: "Wir haben vermeidbare Fehler gemacht und uns mit überflüssigen Strafzeiten selbst ins Bein geschossen. Kanada hat einfach unglaublich Druck gemacht und fast jede Scheibe zum Tor gebracht. Trotzdem war es eine Super-Heim-WM und wir können absolut stolz auf uns sein."

"Zu viel Respekt gezeigt"

"Wir haben zu lange zu viel Respekt gezeigt", analysierte Marco Sturm das Ausscheiden. "Kanada war einfach besser, wir haben nicht die richtigen Mittel gefunden, um sie in Gefahr zu bringen. Trotzdem bin ich sehr zufrieden, weil meine Mannschaft in diesem Turnier immer besser geworden ist - das war das Ziel."

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Donnerstag, 18.5., 22.50 Uhr

Stand: 18.05.2017, 22:58

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