DTM - Wittmann disqualifiziert, Rockenfeller siegt

Mike Rockenfeller

Das Sonntags-Rennen in Zandvoort

DTM - Wittmann disqualifiziert, Rockenfeller siegt

Von Christian Hornung und Jo Herold

Der Tag der eskalierenden Streitigkeiten in der DTM begann und endete im Chaos: Marco Wittmann gewann zunächst das Sonntags-Rennen in Zandvoort, wurde dann aber wegen zu wenig Sprit im Tank nachträglich disqualifiziert. Mike Rockenfeller im Audi wurde als Sieger gewertet.

Wittmann profitierte zunächst wie schon am Tag zuvor von der guten Performance und dem geringen Gewicht seines BMW und seiner defensiven und intelligenten Fahrweise. Der Franke war vom Start weg wie der Blitz losgefahren und verteidigte über das Rennen und den Pflichtboxenstopp hinweg seine Spitzenposition.

Mike Rockenfeller (Audi) war dem BMW-Piloten im letzten Rennviertel dicht auf den Fersen, schaffte es im Rennen aber nicht mehr, Wittmann zu überholen. "Mir geht es gar nicht so gut, ich habe mir eine Erkältung von meinem Vater geholt", sagte der glückliche Sieger unmittelbar nach dem Rennende - zu diesem Zeitpunkt noch nichts ahnend von seinem Spritproblem. "Aber ich habe gesagt, dass ich das im Quali rausschwitze und offenbar hat das geholfen."

Weniger als ein Kilo im Tank

Am Abend folgte dann die große Ernüchterung: Wittmann wurde disqualifiziert und aus der Wertung genommen. Bei den technischen Kontrollen nach dem Rennen war zu wenig Restbenzin im Tank seines BMW.

Laut technischem Reglement muss mindestens ein Kilogramm Restbenzin für Untersuchungen nach dem Rennen übrig sein. Bei Wittmann war dies nicht der Fall und deshalb wurde er nach Artikel 29a.1 disqualifiziert.

Rast mit leeren Händen

Auch der bislang Führende in der Gesamtwertung, Audi-Rookie René Rast, stand am Ende mit leeren Händen da und musste im ersten Renndrittel seiner mangelden DTM-Erfahrung Tribut zollen. Nach einem verschlafenen Start kam Rast bereits in Runde zehn zum Pflicht-Boxenstopp an die Box. Bei seiner Rückkehr auf die Rennstrecke geriet er in ein Scharmützel: "Ich kam aus der Box mit kalten Reifen und hatte Probleme, das Auto auf dere Strecke zu halten. Ich habe den Konkurrenten Platz gelassen, aber dann bin ich ein paar Mal getroffen worden, bis meine Aufhängung gebrochen war."

Tom Blomqvist, Maro Engel und Mattias Ekström waren in den Vorgang verwickelt, Mercedes-Pilot Engel wohl derjenige, der von Rast leicht von der Strecke abgedrängt worden war und in der Folge den Audi-Mann zweimal traf. Engel musste die Aktion mit einem Reifenschaden bezahlen und wurde im Feld weit nach hinten geworfen. Für Rast war das Rennen vorbei.

Ekström baut die Führung aus - dank Müller

Mattias Ekström hingegen konnte sich aus allen Reibereien heraushalten. Der Schwede - nach dem Samstagsrennen nur mit einem Punkt Rückstand auf den Gesamtführenden - arbeitete sich im Rennen von Startplatz zwölf nach vorne und sammelte als Vierter zwölf Zähler - am Abend wurden es durch das Wittmann-Aus dann sogar noch drei mehr.

Nach dem Zieleinlauf musste er sich aber Vorwürfe seine Freundes Gary Paffett (Mercedes) anhören. Denn Ekström absolvierte die letzten Runden extrem langsam, weil er Reifenprobleme hatte, er stauchte das Feld hinter sich fast wie ein Safety Car zusammen. Nur dank des Geleitschutzes von Audi-Kollege Nico Müller gelang es dem Schweden, seinen Platz zu halten - dazu setzten sich die beiden Ingolstädter phasenweise sogar nebeneinander und blockierten gegen den verzweifelt attackierenden Paffett einfach die komplette Straße.

Coup von Duval

Einen großen Coup schaffte Ekströms Markenkollege Loic Duval. Der Franzose hatte am Vormittag im Freien Training die Bestzeit gesetzt, sein Qualifying verlief mit Platz 15 aber alles andere als überzeugend. Doch im Rennen machte der zweite Neuling bei Audi in der DTM alles richtig, indem er seinen Boxenstopp so lange herauszögerte wie kein anderer Fahrer.

Da schon zu diesem Zeitpunkt Ekström hinter ihm die Konkurrenten ausbremste, gewann Duval vorne so viel Zeit, dass er nach der Rückkehr aus der Box den dritten Platz sichern konnte, später profitierte auch er von der Jury-Entscheidung und feierte mit Rockenfeller einen Audi-Doppelsieg.

Strafenhagel vor dem Start

Bereits vor dem Start hatte ein regelrechter Hagel an Strafen das Fahrerfeld getroffen. Timo Glock erhielt für ein Revanchefoul gegen Edoardo Mortara im Qualifying eine Strafversetzung ans Ende des Fahrerfeldes, zusätzlich muss er 3.000 Euro wegen eines Stinkefingers bezahlen, den er der Mercedes-Box zeigte. Glock war in der Qualifikation nach seinem Samstagssieg auf einer sehr schnellen Runde unterwegs, als Mortara ihn nach einem Boxenstopp mit kalten Reifen blockierte.

Glock vermutete Vorsatz beim Mercedes-Konkurrenten, der später aber versicherte, dass ein Kommunikationsfehler mit seiner Boxencrew zum folgenschweren Blockieren von Glock führte. Mortara erhielt eine Fünf-Plätze-Strafe in der Startaufstellung, Glock traf es deutlich härter: Weil er sich wütend schimpfend ("F.. Idiot") im Qualifying direkt vor den Italiener platzierte, ihn komplett runterbremste und es dann in der Boxengasse zu weiteren Streitigkeiten kam, wurde er vom Qualifying nachträglich disqualifiziert.

Blomqvist crasht in der Aufwärmrunde

Folge: Glock verlor seinen fünften Startplatz, wurde von der Jury ans Rennende zurückgestuft und konnte sich schließlich nur noch bis auf Rang acht vorkämpfen. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", gab er sich später uneinsichtig, er sah die Schuld für die Eskalation ausschließlich bei Mortara. Eine Strafe erhielt vor dem Rennen auch Paffett, der frühere Champion hatte auf seinem Mercedes während des Qualifyings einen Reifen benutzt, der nicht seinem Auto zugeordnet war.

Das eigentliche Rennen hatte mit einem Kuriosum begonnen: Noch in der Aufwärmrunde verlor der Brite Tom Blomqvist die Kontrolle über seinen BMW und zerlegte ein Styroporschild, dessen Teile 50 Meter über die Piste verteilt lagen. Bei der Aktion hatte Blomqvist auch seine Tür verloren und musste wegen der erforderlichen Reparaturen aus der Boxengasse losfahren.

Jetzt an den Nürburgring

Das nächste Rennwochenende steigt nun in drei Wochen am 9. und 10. September auf dem Traditionskurs am Nürburgring. One und sportschau.de im Livestream berichten wie immer live vom Qualifying, die beiden Rennen gibt es im Ersten und bei sportschau.de im Livestream und im Live-Ticker.

Die Fans dürfen sicher sein, dass es bis dahin einiges aufzuarbeiten gibt: Der Zoff zwischen Glock und Mortara wird ebenso ein Thema bleiben wie die Blockade-Aktion der beiden Audi und die Frage, warum man noch mehr als ein Kilogramm Sprit im Tank haben muss, wenn man doch heil über die Ziellinie gekommen ist.

Stand: 20.08.2017, 19:14

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