DTM - Haug und Paffett werden dünnhäutig

Gary Paffett

Vor dem Rennen in Oschersleben

DTM - Haug und Paffett werden dünnhäutig

Von Volker Schulte

Der DTM-Titelkampf geht in seine heiße Phase: Vor dem Rennen in Oschersleben am Sonntag (16.09.12, ab 13.45 Uhr live bei sportschau.de) ist der Vorsprung von Mercedes-Pilot Gary Paffett geschrumpft - nicht zuletzt durch den Unfall mit BMW-Mann Martin Tomczyk in Zandvoort. Damals griff Paffett seinen Kontrahenten nach dem Rennen verbal heftig an. Drei Wochen später ist Mercedes-Sportchef Norbert Haug immer noch verstimmt.

Direkt nach dem Rennen ging Martin Tomczyk zu Gary Paffett, er wollte sich entschuldigen. Doch der Brite war stocksauer, gab Tomczyk mit deftigen Worten zu verstehen, dass er nichts von einer Entschuldigung hören wollte. "Wenn man so etwas Blödes macht, reicht 'sorry' nicht", fauchte Paffett später noch in die ARD-Kameras.

Gary Paffett hat schlechte Laune Play-Icon

Große Emotionen vor dem 8. DTM-Lauf | 01:30 min | 14.09.2012 | Morgenmagazin | Das Erste

Was war passiert? Paffett hatte sich in Zandvoort von Startplatz elf aus bis auf den dritten Platz nach vorne gekämpft. Doch als in Runde 27 heftiger Regen einsetzte, verlor Tomczyk die Kontrolle über seinen BMW und drehte Paffett in einer Rechtskurve um. Paffet wurde am Ende nur Siebter, landete hinter seinen schärfsten Verfolgern in der Gesamtwertung, Jamie Green (Vierter) und Bruno Spengler (Sechster). "Wir haben schon wieder Punkte verloren", schimpfte Paffett. "Ich sollte mir eine Zielscheibe aufs Auto malen."

Gary Paffett guckt wütend bei einem Interview nach dem Rennen in Zandvoort Play-Icon

DTM - Gary Paffett wütend auf Martin Tomczyk | 02:15 min | 26.08.2012 | Sportschau | Das Erste

Vom Markenkollegen getroffen

Paffett spielte auf das Rennen auf dem Norisring an, als er in Führung liegend in der ersten Kurve eine Schubser von hinten erhielt. Auch Norbert Haug hadert mit dem Schicksal seines Fahrers. Dass Paffett "zweimal umgedreht" worden sei, "gefällt mir nicht". Die beiden Kollisionen hätten dem Briten "um die 30 Punkte gekostet", spekuliert Haug.

Doch was der Mercedes-Sportchef verschweigt: Die Massenkollision vom Norisring, der auch Paffett zum Opfer fiel, war von einem seiner eigenen Piloten ausgelöst worden: Ralf Schumacher. Zudem war es letztlich Jamie Green, der Paffett touchierte, also ein weiterer Mercedes-Fahrer.

Tomczyk um fünf Plätze strafversetzt

Auch Martin Tomczyk wird in Zandvoort kaum gezielt Jagd auf Paffett gemacht haben. "Ich hätte um einen Podestplatz kämpfen können, aber die unglückliche Kollision mit Gary unter den schwierigen Bedingungen hat diese Chance zunichte gemacht", sagte der amtierende Champion zu sportschau.de. Tomczyk hatte sein Auto nach dem Zusammenprall abstellen müssen, in der Gesamtwertung ist er nun mit 50 Punkten Rückstand wohl alle Titelchancen los. Zudem wird er in Oschersleben wegen des Unfalls um fünf Plätze zurückversetzt: "Ich finde die Strafe weiterhin zu hart, denn es steckte ganz sicher keine Absicht dahinter."

ARD-Moderator Claus Lufen (li.) und Experte Manuel Reuter Play-Icon

Wer punktet im Titelkampf? Nach Zandvoort ist vor Oschersleben | 03:10 min | 26.08.2012 | Sportschau live | Das Erste

Trotzdem: Paffetts Dreher in Zandvoort hat die Meisterschaft spannend gehalten. Jamie Green ist auf 16 Punkte an seinen Mercedes-Markenkollegen herangerückt, BMW-Pilot Bruno Spengler hat nur noch 18 Punkte Rückstand. "Oschersleben ist eine Strecke, die mir richtig gut gefällt", sagte Spengler. "Sie ist sehr speziell, es gibt nur wenige gerade Abschnitte. Ich stand dort schon drei Mal auf dem Podium." Die Konkurrenz sitzt Paffett also im Nacken, der einst so komfortable Vorsprung ist drei Rennen vor Saisonende fast aufgebraucht. Das erklärt wohl auch die Empfindlichkeit im Mercedes-Lager.

Boxenstopptraining - Jeder Handgriff muss sitzen

DTM-Rennen werden oft an der Box entschieden. Deshalb darf beim Reifenwechsel nichts schiefgehen, die Boxenstopps von den Teams akribisch trainiert. sportschau.de hat die Phoenix-Jungs bei ihrer rasend schnellen Millimeter-Arbeit beobachtet.

Boxenstopptraining von Phoenix Racing

9 Uhr morgens, ein kleiner Flugplatz mitten in der Eifel. Das Audi-Team Phoenix Racing lädt seine DTM-Boliden aus: Boxenstopptraining ist angesagt. Und sportschau.de ist hautnah dabei.

9 Uhr morgens, ein kleiner Flugplatz mitten in der Eifel. Das Audi-Team Phoenix Racing lädt seine DTM-Boliden aus: Boxenstopptraining ist angesagt. Und sportschau.de ist hautnah dabei.

Zunächst bauen die Mechaniker den Boxenstand auf, mit allem Drum und Dran. Vor jedem Rennen trainiert das Team Phoenix das Reifenwechseln.

Flugplätze bieten dafür ausreichend Platz und Ruhe. Allerdings sorgen Starts und Landungen ab und zu für Unterbrechnungen.

Alle fertig? Dann kann's ja losgehen. Als Fahrer ist dieses Mal Miguel Molina (Mitte) dabei. Meist ist bei den Trainings immer nur ein Pilot im Einsatz, er steuert dann beide Autos. Für die Fahrer kommt es beim Stopp darauf an, zentimetergenau zum Stehen zu kommen - ohne Zeit zu verlieren.

Martin Becker (2.v.l.) ist Chefmechaniker im Team von Mike Rockenfeller und gleichzeitig Schlagschrauber-Mann am rechten Hinterreifen. "Beim Reifenwechsel kommt es auf das perfekte Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten an", sagt der 36-Jährige.

Pro Reifen braucht es drei Helfer: Der Schlagschrauber-Mann (Mitte) und der Radstecker (links) müssen geübte Fachkräfte sein. Der Radfänger (re.) trägt weniger Verantwortung, auf dieser Position kommen auch mal Praktikanten zum Einsatz.

Dazu gibt es noch den Luftlanzen-Mann, der den Wagenheber auslöst, indem er die Luftlanze an der Wagenseite ansetzt (oben). Dann heben vier Stäbe auf der Unterseite das Auto in die Höhe. Wenn alle vier Schlagschrauber-Männer per Knopfdruck signalisiert haben, dass ihr Reifen fest sitzt, wird die Luftlanze automatisch abgesprengt und der Rennwagen heruntergelassen.

Ein Radwechsel im Überblick, 1 bis 3: Der Schlagschrauber-Mann löst die Schraube und zieht mit der anderen Hand den Reifen vom Radträger. Der Radfänger übernimmt das gelöste Rad und legt es beiseite. 4: Der Radstecker setzt das Rad auf. 5: Der Schlagschrauber-Mann schraubt das Rad fest. 6: Wenn das Rad fest sitzt, drückt der Schlagschrauber-Mann einen Knopf auf dem Schlagschrauber. Der Radfänger tritt hinter das Auto, um im Notfall anschieben zu können.

Wenn alle vier Schlagschrauber-Männer ihren Knopf gedrückt haben, schnellt auch der automatische Lollipop nach oben. Dann kann der Fahrer wieder Gas geben.

Der gute alte Lollipop-Mann hat bei Phoenix und vielen anderen DTM-Teams ausgedient. Aber es gibt noch den Mann mit dem Spiegel: Er sorgt dafür, dass der Pilot beim Losfahren die Fahrbahn auf mögliche Hintermänner kontrollieren kann.

Nicht immer geht alles glatt. Hier hat der Schlagschrauber-Mann hinten links die Mutter verloren - ein typischer Fehler, der viel Zeit kostet. "Man kann beim Boxenstopp nichts gewinnen, sondern nur verlieren", sagt Martin Becker.

Die Crew mit Teamchef Ernst Moser (Mitte) kontrolliert die Ergebnisse des Trainings. Für jeden Reifen werden die Zeiten separat gemessen. Wenn zwischen Stoppen und Losfahren weniger als drei Sekunden vergehen, war es ein gelungener Boxenstopp. Dann hat sich das Training gelohnt.

Stand: 14.09.2012, 08:00

Darstellung: