Die Meistermacher und ihr Schattendasein

Ernst Moser

Serie: So funktioniert ein DTM-Team

Die Meistermacher und ihr Schattendasein

Dass Martin Tomczyk die DTM 2011 in einem Audi gewonnen hat, weiß wohl jeder Fan. Doch das Team, das hinter dem Erfolg steckt, ist weit weniger prominent: Phoenix Racing. sportschau.de will die Rennställe der DTM ins Rampenlicht rücken, blickt in einer kleinen Serie von Artikeln hinter die Kulissen von Phoenix Racing. Zum Auftakt gewährt Teamchef Ernst Moser (51) interessante Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Rennstall, Fahrer und Hersteller.

sportschau.de: Herr Moser, in der DTM reden alle über die Marken und Fahrern, aber kaum jemand über die Teams. Nervt Sie das?

Ernst Moser: Nerven tut's nicht, aber es wäre schön, wenn die Teams auch mehr im Mittelpunkt wären. Klar sind wir Dienstleister bei Audi und machen das auch sehr gerne, aber die Teams werden in der Öffentlichkeit ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Vielleicht könnte man da noch ein bisschen mehr machen.

Die Meisterschaft von Martin Tomczyk im vergangenen Jahr - wie viel Prozent davon gehören dem Team Phoenix?

Moser: Schon ein großer Anteil. Wir hatten mit dem fünf Kilo leichteren Vorjahreswagen gute Voraussetzungen. Martin Tomczyk kam mit einem hohen Motivationsschub zu uns, dazu noch die Erfahrung mit dem Auto, die wir uns jahrelang herausgefahren haben - dadurch waren wir sehr gut aufgestellt. Wir haben dann schnell verstanden, unser Setup auf den neuen Reifen abzustimmen. Auch bei allen Boxenstopps und der Strategie lagen wir fast immer richtig - das hat im Endeffekt den Erfolg gebracht.

Sie nennen ihr Team einen Dienstleister für Audi. Wie genau läuft die Zusammenarbeit?

Mike Rockenfeller

Moser: In der Vorbereitung entwickeln die Hersteller die Rennwagen, aber auch dabei gibt es schon eine Kooperation mit den Teams. Wenn das Auto dann entwickelt ist und die Homologationstermine verstrichen sind, gehen unsere Phoenix-Mitarbeiter nach Ingolstadt und bauen dort zusammen mit Mitarbeitern von Audi Sport die Autos auf. Danach kommen die Autos zu uns hoch in die Eifel und werden hier für jedes Rennen vorbereitet.

In der DTM sind mittlerweile sehr viele Fahrzeugteile einheitlich, die Teams haben nur noch wenig Spielraum. Ist Ihre Arbeit dadurch weniger interessant geworden?

Moser: Nein, die Competition ist sogar noch deutlich höher geworden. Man sieht ja in jedem Qualifying, was für Krimis das sind. Man muss jetzt mehr im Detail arbeiten, um die letzten Hundertstel- oder Tausendstelsekunden zu finden und umzusetzen. Das Reglement reduziert die Kosten deutlich, aber die Competition, sich im Detail zu verbessern, das ist jetzt die Kunst für die Teams, Fahrer und Hersteller.

Wie viele Mitarbeiter stehen Ihnen zur Verfügung?

Moser: Wir haben momentan 24 Leute in unserem DTM-Team, darunter Ingenieure, Kfz-Mechatroniker, Kaufleute, das Teammanagement und die Truckys, wie wir sie nennen. Die Truckys fahren die Lkws, sind aber auch für das Equipment und die Logistik zuständig. Neben unserem DTM-Team gibt es noch die GT-Abteilung mit sechs Leuten, die sich um unsere Einsätze bei den Langstreckenrennen kümmert.

Haben Sie als Teamchef Einfluss auf die Entscheidung, welche Piloten bei Ihnen fahren?

Moser: Natürlich versucht man, seine Wünsche durchzusetzen. Aber letztlich entscheidet das Dr. Ullrich (Audi-Motorsportchef, d. Red). Er hört sich unsere Meinung an und versucht dann, seinen Kader bestmöglich zu verteilen.

Welche Rolle spielen die Piloten zwischen den Rennen?

Ernst Moser (li.) und Mike Rockenfeller

Moser: Die Fahrer haben viele Termine für Audi, aber gerade Rocky (Mike Rockenfeller, d. Red) zum Beispiel, dessen Eltern in Neuwied ein paar Meter weit weg von uns wohnen, besucht uns öfters. Bei Miguel Molina ist es etwas schwieriger, weil er in Spanien lebt. Aber ein Rennfahrer versucht, auch zwischen den Rennen mit seinen Ingenieuren im Dialog zu sein. Das ist schon sehr wichtig.

Viele sagen, Michael Schumacher sei so erfolgreich gewesen, weil er besonders viel auf die Entwicklung des Autos eingewirkt hat. Inwieweit bringen sich die DTM-Fahrer ein?

Moser: Es gibt unterschiedliche Fahrercharaktere. Es gibt Fahrer, die den Ingenieuren ihre Wünsche ganz klar vorgeben und Setup-Vorschläge machen, zum Beispiel am Dämpfer zu arbeiten. Andere Fahrer geben das wieder, was das Auto macht und was sie an dem Auto brauchen. Zum Beispiel sagt er dann, dass er ein untersteuertes Auto nicht fahren kann und eine bessere Vorderachse braucht. Dann ist der Ingenieur gefragt, was er für Tools anwendet.

Haben Sie Beispiele zu diesen beiden Fahrertypen?

Moser: Martin Tomczyk war jemand, der genau gesagt hat, was er probieren möchte. Miguel Molina ist eher derjenige, der sagt, was das Auto macht und was es stattdessen machen soll. Das hängt sicher auch mit dem Alter und der Erfahrung zusammen.

Sie sind jetzt schon seit 1988 in der DTM unterwegs, haben viele Fahrer erlebt. Wer war der beste?

Moser: Oh, das ist schwierig. Ich hatte viele Jahre ein sehr enges Verhältnis zu Kurt Thiim, er war von 1991 bis 94 mein Fahrer. An dem hänge ich sehr. Aber ob Johnny Cecotto oder Laurent Aiello - ich habe schon so viele Fahrer erlebt, da will ich niemanden herausheben. Ich muss sagen, dass ich im vergangenen Jahr sehr überrascht war von Martin (Tomczyk). Die Zielstrebigkeit und dieses Engagement, das er gebracht hat, das war schon beeindruckend.

Das Interview führte Volker Schulte.

Stand: 12.07.2012, 23:17

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