Laute Motoren in ländlicher Idylle

Am Sonntag gastiert die DTM in Brands Hatch. Sportschau.de hat einen Blick auf die Geschichte der traditionsreichen englischen Rennstrecke geworfen.

Brands Hatch

Eigentlich ist es recht idyllisch in der englischen Gemeinde Fawkham. Umrahmt von Wiesen und Feldern liegt das kleine Örtchen in der malerischen Landschaft der Grafschaft Kent. Doch am Sonntag ( 19. Mai, 13.30 Uhr) wird es 30 Kilometer südöstlich der Hauptstadt London alles andere als idyllisch zugehen – dann findet auf dem Brands Hatch Circuit der zweite DTM-Lauf 2013 statt.

Eigentlich ist es recht idyllisch in der englischen Gemeinde Fawkham. Umrahmt von Wiesen und Feldern liegt das kleine Örtchen in der malerischen Landschaft der Grafschaft Kent. Doch am Sonntag ( 19. Mai, 13.30 Uhr) wird es 30 Kilometer südöstlich der Hauptstadt London alles andere als idyllisch zugehen – dann findet auf dem Brands Hatch Circuit der zweite DTM-Lauf 2013 statt.

"Die Strecke macht sehr viel Spaß, ist aber gleichzeitig eine echte Herausforderung für die Fahrer", sagt Vorjahressieger Gary Paffett (Mercedes). 98 Mal schlängeln sich die Piloten über die nur 1.929 Meter lange Strecke - der Brands Hatch Indy Circuit hält damit den Rekord für die kürzeste Rennstrecke im DTM-Kalender. Und wartet zudem mit einem anderen Höhepunkt auf: "Paddock Hill Bend (hier im Bild) ist eine der besten Kurven, die man in einem Rennauto durchfahren kann - einfach unglaublich", sagt Paffett.

Die Anfänge von Brands Hatch reichen bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Das erste offizielle Rennen wurde 1927 auf einer Grasbahn ausgetragen – dabei traten Radfahrer gegen Querfeldeinläufer an. In den ersten Nachkriegsjahren fanden hier ausschließlich Motorradrennen statt, die ersten Autorennen datieren aus dem Jahr 1950. Auf dem Bild ist der junge Bernie Ecclestone im Jahr 1951 zu sehen.

1959 wurde die Strecke umgebaut, ein Jahr später fand das erste inoffizielle Formel-1-Rennen statt. Dauerhaft in den Kalender der Formel 1 aufgenommen wurde die Strecke erstmals 1964. Ab 1966 fand hier im Wechsel mit Silverstone der Große Preis von Großbritannien statt. Erster Sieger eines offiziellen Formel-1-Rennens war damals der spätere Champion Jim Clark im Lotus.

Obwohl der Kurs in den 70er Jahren nach einigen Todesfällen umgebaut und an die neuen Sicherheitsstandards angepasst worden war, genügte die Strecke nicht mehr den Anforderungen der Motorsport-Königsklasse. Der letzte Formel-1-Grand Prix in Brands Hatch wurde im Jahre 1986 ausgetragen. Letzter Sieger war wieder ein Brite – der spätere Weltmeister Nigel Mansell. Ein Jahr zuvor hatte er an selber Stelle den ersten Grand Prix seiner Karriere gewonnen.

Die DTM feierte ihre Premiere in der Saison 2006. Gleich das erste Rennen sollte es in sich haben: Lange war der Meisterschaftsführende Tom Kristensen auf Siegeskurs – bevor er 16 Runden vor Schluss seinen Wagen mit Problemen an der vorderen linken Radaufhängung abstellen musste. Durch den Ausfall konnte der hinter Mattias Ekström und Jamie Green Drittplatzierte Bernd Schneider (rechts) in der Gesamtwertung vorbeiziehen und gab die Führung bis zum Ende der Saison nicht mehr her. Es war der letzte Titel für "Mr. DTM".

In der Saison 2008 triumphierte der spätere Gesamtsieger beim England-Gastspiel – Audi-Pilot Timo Scheider feierte auf dem Indy Circuit seinen zweiten Saisonsieg. Bei wechselnden Wetterbedingungen lieferten sich Scheider (vorne) und sein Mercedes-Konkurrent Paul Di Resta (hinten) dabei einen der packendsten Zweikämpfe der Saison. Nur wenige Zehntel hinter dem Deutschen überquerte Di Resta die Ziellinie.

Es sollte das letzte DTM-Rennen in Brands Hatch gewesen sein, das der Schotte mit italienischen Wurzeln nicht ganz oben auf dem Podest beendete. Im Jahr 2009 siegte er als erster Brite beim DTM-Heimrennen – und 2010 wiederholte er seinen Coup. Am Ende der Saison holte Di Resta in einem packenden Finale den Titel und verabschiedete sich in die Formel 1.

Auch 2011 triumphierte der spätere Gesamtsieger in Brands Hatch. Martin Tomcyk feierte im Regen von Kent seinen dritten Saisonsieg. Dadurch schob er sich an seinem Konkurrenten Bruno Spengler vorbei auf Platz eins der Gesamtwertung und sollte bis zum Ende der Saison die Führung behalten. Das Rennen geriet zum Triumph für Audi, das mit Tomczyk, Mattias Ekström und Edo Mortara einen Dreifach-Sieg feierten.

Das Rennen im vergangenen Jahr geriet dann zum englischen Feierwochenende. Am Vorabend hatte der FC Chelsea dem FC Bayern München in dessen "Finale dahoam" den Champions-League-Titel weggeschnappt – und am Rennsonntag feierte dann Gary Paffett mit dem "Sieg dahoam" seinen ersten DTM-Erfolg auf heimischem Boden.

Und 2013? Sicher ist, dass die Karten nach dem BMW-Triumph beim Auftakt in Hockenheim neu gemischt werden. Die Streckencharakteristik ist in England eine ganz andere. Dem Qualifying kommt in Brands Hatch eine große Bedeutung zu, denn Überholen ist auf der engen Strecke traditionell schwierig. "Vielleicht ist das in dieser Saison aufgrund der neuen Optionsreifen und mit DRS anders", orakelt BMW-Pilot Bruno Spengler. "Das wäre eine Revolution", urteilt Teamkollege Martin Tomczyk.

Ob Revolution oder nicht, spannend wird es alle Male, wie auch der zweimalige Champion Timo Scheider (Audi) stellvertretend für den Rest des Fahrerlagers erwartet: "Pole-Position, Rennsieg, Rückschläge – ich habe in Brands Hatch in den vergangenen Jahren schon so gut wie alles erlebt." Am Sonntag wird in der Idylle der englischen Gemeinde Fawkham womöglich wieder Geschichte geschrieben.

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