Spätberufener Rookie – Rast kam von ganz unten

DTM-Pilot René Rast

DTM-Champion durchlief zuvor zahllose Rennserien

Spätberufener Rookie – Rast kam von ganz unten

Von Christian Hornung

"Mit harter Arbeit, Ausdauer und Fleiß ist jedes Ziel erreichbar – egal ob im GT3-Fahrzeug, einem Le Mans Prototypen oder dem Tourenwagen." Mit dieser Einschätzung begrüßt René Rast die Besucher seiner Homepage.

Und er übertreibt keineswegs. Bei Rast kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ihm in seiner Rennfahrerkarriere wenig bis nichts geschenkt wurde: Er hat sich alles hart erarbeitet, er hat von ganz unten angefangen und sich mühsam und zäh hochgedient – jetzt ist er mit dem größten Erfolg seiner Laufbahn belohnt worden.

Kartsport und viele Markenpokale

Von ganz unten. Das hieß natürlich auch bei ihm wie bei so vielen Kollegen: Kartsport. Dann fuhr er Formel BMW, anschließend VW Polo Cup – wo er wie jetzt wieder als Rookie mit damals 19 gleich zum Titel durchstartete. Es folgten der Seat Cup und diverse Porsche-Markenpokale – mit fünf Meistertiteln. Als GT-Masters-Champion ging es auf die Langstrecken, für einen ausdauernden Typen wie ihn wie gemalt: Le Mans, Daytona, Nürburgring – auch bei den großen 24-Stunden-Events fährt er grandios: 2017 wird er in Daytona Dritter, ebenso wie am Nürburgring.

DMSB-Chef Hans-Joachim Stuck sagt über den sturen Westfalen zu sportschau.de: "Was den Jungen absolut auszeichnet, ist diese Fähigkeit, sich unfassbar schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen. Ich habe in den vergangenen 20 Jahren wenige Fahrer gesehen, die das so konnten wie er. Deshalb habe ich ganz ehrlich gesagt auch nicht verstanden, warum ihm Audi so lange ein DTM-Cockpit verweigert hat."

Kindheitstraum erfüllt

Nach zwei Vertretungseinsätzen 2016, bei denen Rast auch auf Anhieb überzeugte und genau vor einem Jahr sogar einen sechsten Platz in Hockenheim herausfuhr, war es dann in diesem Jahr endlich soweit: "Mit diesem Cockpit erfüllt sich ein Kindheitstraum“, sagte Rast, als er mit 30 Jahren endlich als Stammfahrer bei den Tourenwagen angekommen war.

Mit Rückschlägen umzugehen, auf seine Chance zu warten und dann knallhart zuzuschlagen – auch diese Fähigkeiten kamen Rast in seiner Karriere immer wieder zugute. Am ersten Rennwochenende 2017 in Hockenheim fiel er am Sonntag aus, gewann dann aber im weiteren Saisonverlauf gleich drei Rennen: in Budapest, Moskau und Spielberg.

Haug ist beeindruckt

ARD-DTM-Experte Norbert Haug lobt: "Was mich an René beeindruckt, ist diese Coolness. Da sieht man die große Rennerfahrung, auch wenn er neu in der DTM ist." Diese Coolness war nun auch beim finalen Showdown in Hockenheim wieder gefragt: Das Rennen begann nach seinem starken Qualifying (Platz zwei, mit zwei Punkten belohnt) auch wieder zäh.

Beim Start wurde der Mindener bis auf die Fünf durchgereicht. Doch er blieb eiskalt, wurde nicht hektisch und nutzte sein ganzes Fahrgefühl, um Platz um Platz gutzumachen – und als spätberufener Rookie den DTM-Titel 2017 zu gewinnen.

Stand: 15.10.2017, 15:55

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