Schwedische Routine, Rookie-Überraschungen und Herzschlagfinals

Schwedische Routine, Rookie-Überraschungen und Herzschlagfinals

Von Jörg Strohschein

Die DTM startet in ihr letztes Rennwochenende – und die Titelentscheidung steht noch aus. Eine spannende Saison 2017 mit neuen Fahrern, ungewöhnlichen Reglement-Entscheidungen und ständig wechselnden Gesamtführenden neigt sich dem Ende entgegen. Unsere Chronik fasst die Rennen zusammen.

Lucas Auer

1. Rennen (Hockenheim): Es war ein Herzschlagfinale am Hockenheimring, bei dem sich am Ende Lucas Auer den ersten Saisonsieg sicherte. Der Mercedes-Pilot, der sich auch die erste Pole-Position der Saison erkämpft hatte, erwehrte sich bis zum Ende den Angriffen von Timo Glock. In der vorletzten Runde hatten Auer und Glocks BMW-Bolide sogar Kontakt und touchierten einander – beide konnten ihr Rennen trotz des Nahkampfes aber erfolgreich beenden. Auer war der etwas glücklichere Rennfahrer von zwei starken Kontrahenten.

1. Rennen (Hockenheim): Es war ein Herzschlagfinale am Hockenheimring, bei dem sich am Ende Lucas Auer den ersten Saisonsieg sicherte. Der Mercedes-Pilot, der sich auch die erste Pole-Position der Saison erkämpft hatte, erwehrte sich bis zum Ende den Angriffen von Timo Glock. In der vorletzten Runde hatten Auer und Glocks BMW-Bolide sogar Kontakt und touchierten einander – beide konnten ihr Rennen trotz des Nahkampfes aber erfolgreich beenden. Auer war der etwas glücklichere Rennfahrer von zwei starken Kontrahenten.

2. Rennen (Hockenheim): Viel spannender kann ein Autorennen kaum sein: Der immer stärker werdende Regen sorgte am Sonntag dafür, dass die Renntaktik die wichtigste Rolle spielte. Ab Runde 18 setzte der große Niederschlag ein, Jamie Green (Audi) reagierte sofort darauf und wechselte die Reifen – was sich als richtiger Schachzug erwies. Der Brite konnte das Rennen für sich entscheiden. "Vielleicht bin ich etwas zu lang draußen geblieben, aber andersherum hätte der Regen auch aufhören können. Dann wäre es goldrichtig gewesen", sagte Auer, der wohl sonst wieder ganz vorne zu erwarten gewesen wäre. Aber Green hatte, trotz einer Fünf-Sekunden-Boxenstoppstrafe, die Nase vorn. Auer fiel hinter Gary Paffett und Marco Wittmann wegen eines Verbremsers sogar noch aus den Podiumsplätzen heraus.

3. Rennen (Lausitzring): Es war der (Sams-)Tag des Lucas Auer. Erst sicherte er sich die Pole Position, dann fuhr er einen äußerst souveränen Start-Ziel-Sieg ein – der fast schon für Langeweile sorgte. Der Mercedes-Pilot war deshalb auch äußerst zufrieden mit seiner Performance: "Das war perfekt. Es ist immer schwierig zu gewinnen. Aber heute konnte ich die Pace vorgeben, wie ich es wollte", sagte der 23 Jahre alte Österreicher. Hinter Auer reihte sich sein Markenkollege Robert Wickens ein. Rookie René Rast schaffte seinen ersten Podiumsplatz in der DTM und zusätzlich noch einen Rundenrekord.

4. Rennen (Lausitzring): Genau wie in Hockenheim siegte am Sonntag auch am Lausitzring Jamie Green, der nun bereits dreimal diese Rennstrecke als Sieger verlassen konnte. Erstmals auf sich aufmerksam machte an diesem Tag Routinier Mattias Ekström, der mit einem Reifenwechsel in Runde eins den Grundstein dafür legte, dass er noch überraschend weit vorfahren konnte. "Wenn man auf acht steht und noch aufs Podium fahren kann, dann macht das schon Spaß“, sagte der Schwede. Polesetter Robert Wickens (Mercedes) fiel auf den dritten Rang zurück. Die Phalanx der möglichen Gesamtsieger hatte sich spätestens nach diesem Rennen deutlich erweitert.

5. Rennen (Hungaroring): Bei diesem Rennen ging kein Weg an Mercedes vorbei: Nachdem Audi das Qualifying beherrschte (die ersten fünf Startplätze stellten die Ingolstädter), waren die Stuttgarter und auch BMW beim Rennen deutlich stärker. Paul Di Resta (Mercedes) holte sich vor Timo Glock (BMW) und Bruno Spengler (BMW) den Sieg. Dabei profitierten die drei besten Piloten von einer frühen Safety-Car-Phase. Lucas Auers Vorsprung in der Gesamtwertung schmolz weiter, weil er als 13. nicht in die Punkte fahren konnte.

6. Rennen (Hungaroring): Es war für René Rast ein geradezu historischer Tag. Dem 30-Jährigen gelang sein erster Sieg in der DTM. Zuvor hatte der Audi-Pilot sich auch schon die Top-Position im Qualifying gesichert: "Ich kann meine Gefühle gar nicht richtig in Worte fassen. Auf diesen Moment habe ich meine ganze Karriere gewartet. In der DTM als Erster über die Ziellinie zu fahren, ist eines der besten Gefühle, die ich je im Motorsport hatte", sagte Rast. Aber dieser Premierensieg wurde dem Rookie noch zusätzlich versüßt. "Die Führung in der Gesamtwertung ist ein Bonus obendrauf", sagte Rast. Hinter dem Tagessieger fuhren Markenkollege Mattias Ekström und Maxime Martin (BMW) über die Ziellinie. Der bis vor dem Rennen Gesamtführende Lucas Auer hatte einen rabenschwarzen Tag, fuhr beinahe einem Mechaniker über den Fuß und musste seinen Boliden nach 23 Runden - nach einem technischen Defekt - abstellen.

7. Rennen (Norisring): Nur einer konnte gegen die BMW-Dominanz bei wechselhaftem Wetter und schwierigen Bedingungen dagegen halten: Mattias Ekström fuhr mit seinem Audi auf Platz drei. Vor ihm Bruno Spengler und Maxime Martin (beide BMW), hinter ihm drei weitere Münchner Boliden. "Mein Rennen war unterhaltsam. Ich hatte einen guten Start, danach war es sehr nass. Im Trockenen habe ich dann schon hart kämpfen müssen", sagte Ekström. Der ganze Aufwand lohnte sich für den Schweden allerdings: Er übernahm die Gesamtführung von seinem Markenkollegen René Rast, der das Rennen lediglich auf Platz zwölf beendete.

8. Rennen (Norisring): Das Sonntagsrennen am Norisring wurde von einem schweren Unfall überschattet. Gary Paffett touchierte den Audi von Jamie Green in der Anfahrt auf Kurve eins, Paffett krachte mit seinem Mercedes heftig in die Leitplanke, rutschte und stieß mit der Front in die Fahrertür von Mike Rockenfeller (Audi). Paffett hatte Glück im Unglück und kam mit leichten Blessuren davon, "Rocky" erlitt angesichts des heftigen Einschlags "nur" einen Mittelfußbruch. Sieger wurde nach der Safety-Car-Phase Maxime Martin (BMW) vor Lucas Auer (Mercedes), der sich damit im Titelrennen zurückmeldete. Edoardo Mortara fuhr erstmals in dieser Saison aufs Podium, weil er zwei Tausendstelsekunden oder auch elf Zentimeter vor Audi-Pilot Mattias Ekström über den Zielstrich raste.

9. Rennen (Moskau): Die erste Saisonhälfte wurde von einem Fahrer bestimmt, den kaum jemand so weit vorne erwartet hätte: René Rast gewann im Audi mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg sein zweites DTM-Rennen überhaupt und führte die Gesamtwertung nach diesem Rennen an. Besonders bemerkenswert auch die Leistung von Rasts Markenkollege Mike Rockenfeller, der trotz seines gebrochenen Fußes mit großem Kämpferherzen auf den zweiten Platz fuhr. Großer Verlierer des Tages war Mattias Ekström, der nach einem Zweikampf mit Timo Glock in Runde fünf zurückfiel und nur noch Platz acht erreichte.

10. Rennen (Moskau): Es war ein Kampf bis zum letzten Meter - am Ende war die Sensation perfekt. Mercedes-Pilot Maro Engel fuhr kurz vor Mattias Ekström (Audi) über die Ziellinie und konnte seinen ersten DTM-Sieg feiern. "Das waren die längsten fünf Runden meines Lebens", sagte Engel ins ARD-Mikrofon. Der Schwede , der damit wieder Tabellenführer war, konnte Engel auch deshalb jagen, weil sein Markenkollege Nico Müller für den 39-Jährigen den Prellbock spielte. "Das war irre wild und auch ein bischen Hardcore", kommentierte der Schwede das Rennen, "das hat richtig viel Spaß gemacht. Wenn du so ein geiles Rennen hast, macht das umso mehr Spaß." Mercedes-Pilot Lucas Auer fiel nach seinem neunten Platz im Gesamt-Klassement zurück auf Platz drei.

11. Rennen (Zandvoort): Das erste Rennen nach der vierwöchigen Sommerpause hatte einige Überraschungen parat. Zum einen verkündete Mercedes, nach 2018 nicht mehr länger Teil der DTM sein zu wollen. Zum anderen erwischten die Favoriten beim Samstagsrennen einen rabenschwarzen Tag. Weder Mattias Ekström noch Lucas Auer konnten ihre Rolle unterstreichen und leisteten sich frühe Fehler, mit denen sie sich selbst aus den Punkten beförderten. Auch René Rast konnte lediglich zwei Zähler einheimsen, übernahm aber wieder die Führung im Klassement. BMW dominerte an diesem Tag: Timo Glock gewann nach zwei zweiten Plätzen sein erstes Saisonrennen vor Marco Wittmann und Maxime Martin.

12. Rennen (Zandvoort): Die DTM ist nur sehr schwer vorhersehbar. Während am Vortag BMW noch alles in Grund und Boden gefahren hatte, war es am Sonntag Audi, das nicht zu schlagen war. Mike Rockenfeller feierte den ersten Saisonsieg vor Loïc Duval, Mattias Ekström und Nico Müller. Aber das Ergebnis stand nicht unmittelbar nach Rennende fest. Denn der als Erster durchs Ziel gefahrene Marco Wittmann wurde nachträglich disqualifiziert. Der BMW-Pilot hatte zu wenig Benzin im Tank. Hätte er die insgesamt 46 Punkte des Wochenendes eingesammelt, wäre er Zweiter in der Gesamtwertung gewesen, so war der Titelverteidger nur Achter. Ein bitterer Tag für Wittmann.

13. Rennen (Nürburgring): Plötzlich war Lucas Auer wieder zurück im Titelrennen. Der Österreicher sowie Paul Di Resta, Robert Wickens und Maro Engel machten am Samstag den Triumph von Mercedes auf dem Nürburgring perfekt. Das Wetter machte sämtlichen Planungen der Teams einen Strich durch die Rechnung. Immer wieder setzte Regen ein und der machte vor allem denjenigen zu schaffen, die früh ihre Reifen wechselten. Auch Routinier Mattias Ekström wählte die falsche Taktik: "Das Auto war gut zu fahren. Ich bin in die Box gefahren, und genau da hat es angefangen zu regnen. Wenn man nicht mit seinem Team sprechen kann, dann ist es halt so, das ist Zirkus. Dann bekommt man halt keine Punkte", schimpfte der Schwede. Nach diesem Rennen lag Auer nur noch einen Zähler hinter Ekström.

14. Rennen (Nürburgring): Es war deutlich zu spüren, dass sich die Saison so langsam dem Ende entgegenneigte. Viele Zweikämpfe wurden am Rande des Reglements geführt und sorgten bei vielen Fahrern für Ärger. Die beste Strategie hatte Mercedes-Pilot Robert Wickens, der Mitte des Rennens erst Augusto Farfus (BMW), danach Wittmann düpierte und mit einem bärenstarken Rennen zum Sieg fuhr. "Ich habe das nicht erwartet. Was für ein Rennen. Toller Fight mit Marco", sagte Wickens in Das Erste. Mattias Ekström (Audi) fuhr dagegen ein defensives Rennen und verbesserte sich von Platz 14 auf Platz sechs. "Für mich war das Rennen sehr schwer, mit meinem Auto ging gar nichts", sagte Ekström. Der Schwede vergrößerte seinen Vorsprung dennoch, weil Lucas Auer das Rennen lediglich auf Platz 13 beendete.

15. Rennen (Spielberg): Es war ein historisches Rennen. Denn im Vorfeld hatten sich die drei Marken darauf geeinigt, die Performance-Gewichte abzuschaffen. Eine völlig neue Herangehensweise an die Aufgaben. Und wenn es darauf ankommt, muss man da sein. Dieses Motto galt in dieser Saison und in diesem Rennen vor allem für Mattias Ekström. Der schwedische Routinier fuhr am Samstag in Spielberg zu seinem ersten Saisonsieg und unterstrich die Dominanz von Audi auf dieser Strecke. Denn nach Ekström, der seinen Punktevorsprung im Gesamtklassement zu diesem Zeitpunkt auf 28 Zähler ausbaute, waren seine Markenkollegen Jamie Green und Nico Müller gleich um 21 Sekunden schneller als die Konkurrenz.

16. Rennen (Spielberg): Ein Wochenende, an das Jamie Green sicher nicht gerne erinnert werden will. Am Vortag hatte er aufgrund einer Stallorder Markenkollege Mattias Ekström passieren und gewinnen lassen müssen. Am Sonntag sah der Brite bis kurz vor Schluss wie der sichere Sieger aus – bis ihn ein technischer Defekt zwei Runden vor Ende von der Siegerstraße schubste. So machte Rookie René Rast mit seinem dritten Saisonsieg vor Mike Rockenfeller und Nico Müller den Audi-Triumph perfekt. Lucas Auer musste das Rennen nach 29 Runden vorzeitig beenden, weil er von der Bahn rutschte. Ekström lieferte sich mit Marco Wittmann einen packenden Zweikampf, konnte sich in letzter Sekunde durchsetzen und auf Platz fünf vorfahren.

17. und 18. Rennen (Hockenheim): Der Showdown auf dem traditionsreichen Hockenheimring garantierte Hochspannung. Würde sich Mattias Ekström sich den Titel nicht mehr nehmen lassen? Der Schwede hatte als Gesamtführender schließlich die besten Chancen. Oder würde sich der Zweitplatzierte, Rookie René Rast, den Titel gleich in seiner ersten Saison schnappen? Rast schaffte die Überraschung, weil er von Strafversetzungen in der Startaufstellung bei Mattias Ekström und Samstagssieger (17. Rennen) Jamie Green profitierte. Rast schaffte das Kunststück, als Rookie in seiner ersten kompletten DTM-Saison gleich den Titel zu gewinnen.

Stand: 11.10.2017, 08:30 Uhr

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