Doping-Whistleblower Dmitriev in Deutschland

Andrey Dmitriev – hier zu Besuch in Berlin – lebt derzeit im Südwesten Deutschlands

Nach seiner Flucht aus Russland

Doping-Whistleblower Dmitriev in Deutschland

Von Hajo Seppelt und Sebastian Münster

Nach seiner Flucht aus Russland und einer mehr als sechsmonatigen Odyssee durch mehrere Länder ist der Doping-Whistleblower Andrey Dmitriev in Deutschland eingetroffen und will nach eigenen Angaben bis auf weiteres im Land bleiben.

Der 27-Jährige ist Anfang des Jahres aus Angst um seine eigene Sicherheit aus seinem Heimatland geflohen. Seit Anfang des Monats hält sich Dmitriev im Südwesten Deutschlands auf. "Jetzt fühle ich mich sicher“, sagt der Whistleblower im Gespräch mit der ARD. Der Ex-Athlet, der für Russland als Läufer auf der 1.500-Meter-Distanz gestartet war, hatte den russischen Leichtathletikverband in einem Interview mit der ARD-Dopingredaktion im Januar 2017 und verdeckt gedrehtem Videomaterial schwer belastet. Das Material hatte die ARD-Sportschau ausgestrahlt.

"Ich will in Deutschland studieren"

Die Aufnahmen zeigten den erfolgreichen Trainer Vladimir Kazarin, der trotz verhängter Sperre durch den russischen Leichtathletikverband RusAF unbehelligt mit Top-Athleten des Landes weitergearbeitet hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der nationale russische Verband wegen Enthüllungen der ARD-Dopingredaktion bereits vom Leichtathletik-Weltverband IAAF gesperrt und Gegenstand einer Untersuchung durch eine Prüfkommission der IAAF.

Dmitriev, der zunächst in Russland bleiben und aktiv für einen sauberen Sport eintreten wollte, hatte kurz nach Bekanntwerden seiner Vorwürfe sein Athletenstipendium verloren und sah sich nach eigenen Angaben durch zunehmende Anfeindungen gezwungen, das Land zu verlassen. Eine baldige Rückkehr hält der 27-Jährige vorerst für ausgeschlossen. "Ich will in Deutschland ein Studium beginnen“, so der ehemalige Athlet des russischen Juniorennationalkaders. „Oder ich beende meinen College-Abschluss in den USA.“ In den Vereinigten Staaten hatte Dmitriev bereits nach 2009 fünf Jahre gelebt.

Kein Glaube an einen Wandel in Russland

An einen generellen Wandel hin zu einem sauberen russischen Sport glaubt Andrey Dmitriev inzwischen kaum noch. „Die Sperre der russischen Leichtathleten gilt innerhalb des Landes nach wie vor als eine Verschwörung, bei der Russland als Sündenbock herhalten muss“, so Dmitriev. Eine aufgeklärte Diskussion über das russische Dopingproblem finde in den nationalen Medien allenfalls am Rande statt.

Stand: 19.09.2017, 17:50

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