Doping-Schlüsselfigur Portugalov weiter in Athletenbetreuung in Russland tätig?

Sergej Portugalov

Doping

Doping-Schlüsselfigur Portugalov weiter in Athletenbetreuung in Russland tätig?

Von Hajo Seppelt

Der erst kürzlich vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen seiner Beteiligung am russischen Dopingsystem lebenslang gesperrte Mediziner Sergey Portugalov betreut womöglich weiter Topathleten. In Russland wird dementiert, aber russische Internetseiten werben mit Portugalov.

Auf der Website einer Moskauer Spezialklinik, die Spitzensportler zu ihren Klienten zählt, tauchte der Name Portugalovs noch vor einer Woche als Anbieter von medizinischen Leistungen für Athleten auf. Die medizinische Einrichtung in der russischen Hauptstadt kooperiert gemäß Information auf deren Website mit dem russischen Eishockey-Spitzenclub Dynamo Moskau. Dafür wird auf der Internet-Seite geworben. Eine Abteilung für die Betreuung von Spielern wird dabei besonders hervorgehoben. Auf der Website hieß es dazu bis zum 13. März: "Die Abteilung wird von einem der hochangesehensten Spezialisten auf dem Feld der Sportmedizin geleitet, Professor Sergej Portugalov".

Kurze Zeit nachdem die Nennung von Portugalov auf der Klinik-Website am Rande einer WADA-Konferenz am 13. März in Lausanne die Runde gemacht hatte, verschwand dessen Name plötzlich auf der Website ohne weiteren Kommentar. Auf Nachfrage der ARD-Dopingredaktion erklärte ein Kliniksprecher jetzt, Portugalov habe trotz des Eintrags auf der Website nie für die Klinik gearbeitet. 

Wie die ARD-Dopingredaktion erfuhr, ist Portugalov zudem von einem staatlichen sportwissenschaftlichen Institut nach Aufdeckung seiner mutmaßlichen Beteiligung am russischen Dopingsystem weiter beschäftigt worden. In der nationalen Forschungseinrichtung für Sport arbeitete er gemäß deren Website in hochrangiger Position unter dem Generaldirektor. Das Institut hat seinen Sitz ebenso in Moskau. 

Portugalov war schon vor der lebenslänglichen Sperre provisorisch suspendiert. Somit war ihm gemäß dem WADA-Code die Betreuung von Athleten, egal in welcher Funktion er sie ausübt, nicht gestattet. 

Der russische Arzt gilt als einer der führenden medizinischen Köpfe des russischen Dopingsystems. In der im Dezember 2014 in der ARD ausgestrahlten Dokumentation "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" hatten die Whistleblower Vitaliy und Yuliya Stepanov Belege in Audio-, Video- und Schriftform zur Verstrickung Portugalovs vorgelegt. Diese Belege führten zur lebenslangen Sperre des Arztes durch den Sportgerichtshof CAS. 

Stand: 22.03.2017, 10:48

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