IOC will Whistleblower Stepanows unterstützen

Julia Stepanowa

Bachs Kehrtwende

IOC will Whistleblower Stepanows unterstützen

Das Internationale Olympische Komitee will die russische Doping-Kronzeugin Julia Stepanowa und ihren Ehemann Witali finanziell unterstützen. Zuvor hatte es ihr noch ein Startrecht in Rio verweigert und den Kontakt lange gemieden.

Das IOC bestätigte entsprechende Informationen des Portals insidethegames. "Wir können bestätigen, dass sich der IOC-Präsident (Thomas Bach) mit Julia und Witali Stepanow im September getroffen hat", teilte ein IOC-Sprecher mit. In einer sehr umstrittenen Entscheidung hatte das IOC vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Stepanowa eine Starterlaubnis aus ethischen Gründen verweigert. Dafür stand Bach auch persönlich in der Kritik.

Beratervertrag und finanzielle Unterstützung

Die 800-Meter-Läuferin war selbst 2013 wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt worden. Entsprechend eines Beschlusses der IOC-Exekutive vom Juli habe Bach beiden Unterstützung angeboten, so nun der Sprecher. Demnach bekomme Stepanow einen Beratervertrag im Bereich Dopingkontrolle beim IOC. Er hatte früher bei der Russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) gearbeitet. Seine Frau Julia erhalte finanzielle und andere Unterstützung, um ihre sportliche Karriere fortsetzen zu können.

Stepanowa und ihr Mann Witali hatten Beweise für ein systematisches und staatlich organisiertes Doping in der russischen Leichtathletik geliefert, die letztlich dazu führten, dass Russlands Team bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in dieser Sportart nahezu komplett ausgeschlossen war. Nachdem eine unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unter Leitung des Ermittlers Richard Pound die Beweise zusammengetragen hatte, verbannte im November 2015 der Internationale Leichtathletikverband IAAF das russische Team auf unbestimmte Zeit von internationalen Wettkämpfen - auch von den Rio-Spielen.

Seppelt: "Es war kaum länger zu ertragen"

Nach den Enthüllungen hatte das Ehepaar Russland verlassen und lebt derzeit an einem unbekannten Ort in den USA. "Oberste Priorität im Leben der Familie Stepanow, das seit Jahren immer nur voller Ungewissheit war, hatte es, eine Perspektive zu finden - das war ihr wichtigstes Anliegen, wie sie mir immer wieder sagten", sagt ARD-Reporter Hajo Seppelt, der in seinen Filmen "Geheimsache Doping" mit den Berichten des Ehepaares den Skandal aufgedeckt hatte. "Ohne festen Wohnsitz, ohne Job, ohne langfristige Aufenthaltserlaubnis - das war verständlicherweise kaum länger zu ertragen. Die Offerte des IOC war vor diesem Hintergrund für sie interessant."

Wie tragfähig die Lösung für das Paar ist, sei noch nicht abzuschätzen, sagt Seppelt: "Andere Angebote, ohne wieder das Land wechseln zu müssen, gab es nicht. Nicht mal von der WADA, was besonders irritierend ist. Ob es der richtige Schritt war, ausgerechnet dem IOC nach all den Querelen jetzt Vorschusslorbeer zu geben, wird sich noch zeigen müssen."

Strippenzieher tritt zurück

Für den russischen Sport ist der Skandal bis heute nicht ausgestanden. Für einen der mutmaßlichen Strippenzieher des Staatsdoping-Systems endete am Montag die politische Karriere zunächst. Juri Nagornych, der im Untersuchungsbericht des kanadischen Anwalts Richard McLaren als Hauptverantwortlicher für die Vertuschung positiver Dopingproben russischer Athleten bei den Winterspielen 2014 in Sotschi ausgemacht wurde, ist von seinem Posten als Vize-Sportminister zurückgetreten. Mehrere Dutzend russische Athleten sollen 2014 gedopt an den Start gegangen sein - darunter 15 Medaillengewinner.

ard/dpa | Stand: 25.10.2016, 10:12

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