Geheimsache Doping

Nach ARD-Doku - Äthiopien schließt Apotheke, die unerlaubt Dopingmittel verkauft

Sebastian Münster und Hajo Seppelt

Eine Apotheke in Äthiopien, die Athleten verbotene Substanzen direkt gegenüber dem größten Leichtathletik-Stadion des Landes verkauft hat, ist im Zuge behördlicher Ermittlungen geschlossen worden. Das gab die nationale Anti-Doping-Behörde am Dienstag (29.08.2017) bekannt.

Im Zuge einer verdeckten Recherche war es Reportern der ARD-Dopingredaktion und des britischen "Guardian" im Mai gleich mehrfach gelungen, das verbotene Dopingmittel EPO ohne Vorlage eines Rezepts in dem Geschäft zu kaufen. Erst kurz zuvor hatten die nationalen Leichathletikmeisterschaften im Stadion gegenüber stattgefunden. Die Veröffentlichung hatte Ermittlungen des äthiopischen Sportministeriums zur Folge. Dass das Mittel in der Apotheke erhältlich war, bestätigen nun erste Untersuchungen der äthiopischen Anti Doping-Behörde.

Das Geschäft bleibt für die Zeit der laufenden Ermittlungen mindestens drei Monate lang geschlossen, heißt es weiter. Dem Betreiber sei seine Lizenz außerdem für die Dauer von sechs Monaten entzogen worden.

"Auf Grundlage des Medienberichts hat das Ministerium Ermittlungen veranlasst und herausgefunden, dass die verbotene Substanz in der Apotheke gefunden wurde", so die Anti-Doping-Behörde.

Zwar haben die Behörden eigenen Angaben zufolge entdeckt, dass Athleten das im Blutdoping verbreitete Mittel EPO in der Apotheke bezogen haben. Sie veröffentlichten jedoch keine Namen. Positive Dopingtests hatte es bei den nationalen Leichtathletikmeisterschaften keine gegeben.

Damit gerät Äthiopien erneut in den Fokus, nachdem die Läufernation bereits im vergangenen Jahr vom Leichtathletik-Weltverband IAAF ermahnt wurde, mehr Dopingtests durchzuführen.

Der äthiopische Leichtathletikverband hatte den gemeinsamen Bericht der ARD und des "Guardian" ursprünglich als "vage und unbegründet" abgetan. Die Schließung der unerlaubt mit EPO handelnden Apotheke für drei Monate sei lediglich eine vorläufige Maßnahme, sagte der Leiter der äthiopischen Anti-Doping-Behörde, Mekonnen Yidersal, der Nachrichtenagentur Associated Press. Andere Geschäfte stünden demnach ebenfalls unter Verdacht.

"Wir werden gegen dieses und weitere auffällige Geschäfte ernsthaftere Maßnahmen einleiten", so Yidersal. Das äthiopische Recht sieht Verfahren und Gefängnisstrafen gegen Personen vor, die die Anti-Doping-Regularien des Landes mutwillig missachten.