Polnischer Kanute fordert Wiedergutmachung vom IOC

Adam Seroczynski

Enthüllungen der ARD-Doping-Redaktion sorgen weiter für Diskussionen

Polnischer Kanute fordert Wiedergutmachung vom IOC

Von Hajo Seppelt und Felix Becker

Eine Woche nach den Clenbuterol-Enthüllungen: Adam Seroczynski erwägt eine Schadenersatzklage gegen das IOC. Thomas Bach führte 2008 die Disziplinarkommission, die Fleischkontamination als Ursache ausschloss. In der Analytik kündigen sich bahnbrechende neue Methoden an.

Adam Seroczynski, der 2008 in Peking wegen Clenbuterol-Befunden gesperrte Kanute, will seinen Ruf wiederherstellen, sagte er in einem Interview mit der ARD-Doping-Redaktion. Der Pole erwägt eine Schadenersatzklage gegen das Internationale Olympische Komitee.

"Das Verhalten des IOC empfinde ich als sehr skandalös. Sie haben sich mit meinem Fall nicht so beschäftigt, wie es mir wichtig war. Mein Anwalt und ich werden jetzt definitiv versuchen um mein Recht zu kämpfen. Ich will beweisen, dass ich vollkommen sauber bin Falls wir gewinnen, falls das Gerichtsurteil beweist, dass ich im Recht bin, werden wir definitiv die Möglichkeit von Schadensersatz, der finanziellen Wiedergutmachung in Betracht ziehen."

In diesem Zusammenhang wiesen polnische Sportfunktionäre auch auf ein pikantes Detail hin: Der heutige IOC Präsident Thomas Bach persönlich war an der Zwei-Jahres-Sperre gegen den polnischen Kanuten maßgeblich beteiligt. Als Chef der Disziplinarkommission unterschrieb er 2008 das Urteil. Fleischkontamination als Ursache für den positiven Befund wurde damals als nicht glaubwürdig erachtet.

Neue Analyse-Möglichkeiten

Mario Thevis

Mario Thevis

Um in Zukunft besser zwischen Doping und Fleischkontamination unterscheiden zu können, arbeiten europäische Anti-Doping-Forscher an neuen Analyse-Möglichkeiten. Mario Thevis vom Kölner Anti-Doping Labor sagte der ARD: "Es gibt seit einigen Jahren Forschungsvorhaben in dieser Richtung und diese sind auch auf verschiedenen Ansätzen begründet. Auch wir arbeiten gezielt an dem Nachweis und der Unterscheidung, der Differenzierung von Clenbuterol, ob es aus verunreinigten Nahrungsmitteln oder tatsächlich durch die bewusste Einnahme von Medikamenten herrührt."

Thevis erklärte, eine solche Nachweismethode könnte schon im Jahr 2018 Realität werden. Die Frage ist: Würde das IOC im Falle von einem Doping-Nachweis bei den Pekinger-Proben die Fälle noch juristisch verfolgen? Das IOC teilte der ARD-Doping-Redaktion dazu mit, es antworte nicht auf "hypothetische Fragen".

Im aktuellen Verdachtsfall der jamaikanischen Olympiamannschaft hält auch Renee Anne Shirley – die ehemalige Chefin der jamaikanischen Anti-Doping Kommission und eine der wenigen kritischen Stimmen im jamaikanischen Sport – Fleischkontamination für eine denkbare Ursache: "Ich meine, wir haben hier keine Engel. Die gibt es doch in keinem Land. Aber wenn ich höre, dass es niedrige Clenbuterol-Level sind, dann ist das etwas das sehr wohl durch Lebensmittelkontamination kommen könnte. Die Frage ist doch jetzt: Gibt es irgendwelche Muster, wer waren diese Athleten, kamen sie aus einem bestimmten Lager? All diese Dinge müssten jetzt ergründet werden."

Warum entschied sich das IOC dann dazu die Ergebnisse nicht bestätigen zu lassen, die Fälle geheim zu halten, Ermittlungen zu unterlassen? Auf ARD-Anfrage wollte das IOC seiner Stellungnahme vom 1. April nichts hinzufügen.

Stand: 09.04.2017, 15:00

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