Eishockey, Handball und Co - Videobeweis in anderen Sportarten

Die Schiedsrichter beim Eishockey holen den Videobeweis ein

Diskussion um technische Hilfsmittel

Eishockey, Handball und Co - Videobeweis in anderen Sportarten

Nach den ersten Spielen beim Confed Cup entzündet sich Kritik an der Umsetzung des neuen Videobeweises. In vielen anderen Sportarten ist das technische Hilfsmittel längst etabliert.

EISHOCKEY: Technische Hilfsmittel beim Torentscheid sind im Eishockey Normalität. Bei strittigen Entscheidungen kann der Schiedsrichter in einer Spielunterbrechung den Videobeweis nutzen. Dem Unparteiischen werden verschiedene Videobilder vom Torschuss gezeigt. In der DEL sind daher Übertorkameras Pflicht. Bei TV-Übertragungen werden auch die Wiederholungen der seitlichen und hinteren TV-Kameras zurate gezogen. Über Fouls wird nicht entschieden.

BASKETBALL: Seit 2014 können die Schiedsrichter in der Bundesliga ihre Entscheidungen selbst über einen Monitor am Kampfrichtertisch überprüfen und gegebenenfalls ändern. Die Situationen, die angeschaut werden können, sind genau festgelegt - unter anderem: ob ein erfolgreicher Korb ein Wurf für zwei oder drei Punkte war oder ob die 24-Sekunden-Uhr bereits abgelaufen war. Auch international und in der NBA ist der Videobeweis üblich.

HANDBALL: Bei der WM 2015 in Katar war der Videobeweis erstmals offiziell im Einsatz. Neben der Kontrolle, ob ein Ball hinter der Linie ist oder nicht, können die Schiedsrichter auch überprüfen, ob die Spielzeit bereits abgelaufen ist, wenn ein Tor erzielt wird. Auch bei groben Fouls, die übersehen wurden, können sie die Technik nutzen.

HOCKEY: Bei Turnieren des Hockey-Weltverbandes FIH gibt es zwei Arten von Videobeweisen: "Umpire Referral" und "Team Referral". Ein "Umpire Referral" darf ausschließlich von den Schiedsrichtern angefordert werden. Hier geht es darum, ob ein Tor korrekt erzielt worden ist oder nicht. Beim "Team Referral" kann per Video geklärt werden, ob zum Beispiel eine Strafecke oder eine Siebenmeter-Entscheidung berechtigt ist. Jedes Team hat das Recht, den Video-Referee einzuschalten. War der Einwand berechtigt oder kann keine abschließende Klarheit erzielt werden, behält das Team sein Einspruchsrecht. Anderenfalls ist dieses Recht verwirkt.

TENNIS: Das sogenannte "Hawk-Eye" ist im Tennis sehr populär, sowohl bei Spielern als auch bei Zuschauern. Jeder Spieler hat pro Satz dreimal die Möglichkeit, das Hawk-Eye zu befragen. Liegt der Schiedsrichter falsch, behält der Spieler seine drei Einspruchsmöglichkeiten. Liegt der Spieler falsch, verliert er einen Versuch.

LEICHTATHLETIK: In der Leichtathletik sind bewegte Bilder bei Protesten als Beweismittel zugelassen - allerdings normalerweise erst nach den Wettkämpfen. Dann berät eine Jury im sogenannten Technischen Informationszentrum des Stadions oder der Halle über den Protest. Neben Videos sind auch andere Beweismittel zugelassen.

FECHTEN: Im Fechten ist der Videobeweis längst Alltag und gehört zum Standardprogramm wie Parade und Riposte. Ein Fechter kann je Gefecht grundsätzlich zwei strittige Situationen via Technik klären lassen. Fällt die Entscheidung zu seinen Gunsten aus, darf er das beliebig oft anwenden.

GOLF: Im Golfsport ist der Videobeweis stark eingeschränkt worden. Die Regelhüter der Dachverbände USGA und R&A reagierten im April 2017 auf den Fall Lexi Thompson. Damals war einem TV-Zuschauer des Turniers in Kalifornien aufgefallen, dass die US-Amerikanerin ihren zuvor auf dem Grün markierten Ball an einer falschen Stelle niedergelegt hat. Der Fan meldete sich daraufhin bei der US-Damen-Tour LPGA, und Thompson bekam nachträglich vier Strafschläge aufgebrummt. Dadurch verpasste Thompson ihren zweiten Major-Sieg. Nun werden Regelverstöße, die unter normalen Umständen nicht mit bloßem Auge zu sehen gewesen wären, nicht mehr per Videobeweis geahndet.

Stand: 19.06.2017, 11:51

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