Qualitätsprobe erster Güte für Deutschlands zweite Wahl

Confed Cup: Innenverteidiger im Spiel gegen Chile gefordert

Qualitätsprobe erster Güte für Deutschlands zweite Wahl

Von Marcus Bark (Kasan)

Das zweite Spiel beim Confed Cup führt die deutsche Nationalmannschaft gegen den Turnierfavoriten Chile. Es dürfte viel Arbeit geben für die Abwehrzentrale, in der ein Anker fehlt.

Samuel ist optimistisch. Er glaubt an einen Sieg Chiles gegen Deutschland, und im Finale will er dann auf Portugal mit Cristiano Ronaldo treffen.

Angeblich, so sagt Samuel, werden 12.000 Fans der chilenischen Mannschaft am Donnerstag (22.06.17) in der Arena von Kasan sein. Der Weltmeister gegen den Südamerikameister - das sollte einer der Höhepunkte in der Vorrunde des Confed Cups werden.

Chile mit besten Empfehlungen

Shkodran Mustafi

Shkodran Mustafi

Chile zählt für Bundestrainer Joachim Löw in der aktuellen Besetzung zu den "besten Mannschaften der Welt" und damit zu den Favoriten des Testturniers in Russland.

Zum Auftakt bestätigte die Mannschaft von Trainer Juan Antonio Pizzi diesen Eindruck. Sie gewann mit 2:0 gegen Kamerun, gab dabei 15 Torschüsse ab, hatte 63 Prozent Spielanteile und brachte durchschnittlich neun von zehn Pässen an den Mitspieler.

Mustafi gehört zum "Gerüst"

Da wird einiges auf die deutsche Abwehr zukommen, die schon beim 3:2-Sieg gegen das deutlich schwächer einzuschätzende Australien Probleme bekam. Löw wird vermutlich gegen Chile eine andere Besetzung auf das Feld schicken, vielleicht auch mit einer klaren Dreier- oder Viererkette spielen lassen statt mit einer Formation, die nur schwammig in eines der üblichen Schemen zu pressen war.

Für den oder die freien zentralen Plätze in der hintersten Linie kommen Antonio Rüdiger, Matthias Ginter und Niklas Süle infrage. Shkodran Mustafi gehört genauso zum "Gerüst der Mannschaft" (Löw) wie Kapitän Julian Draxler, Jonas Hector und Joshua Kimmich, der vermutlich auf der rechten äußeren Position spielen wird.

Confed Cup - Deutschland spielt um Gruppensieg

Sportschau | 21.06.2017 | 01:09 Min.

Hummels/Boateng mit ganz starken Statistiken

Ginter sammelte bei Borussia Dortmund schon Erfahrung in der Champions League, Rüdiger hat sich mit der AS Rom für die europäische Eliteliga qualifiziert, für Süle bezahlt der FC Bayern etwa 20 Millionen Euro. Viele Nationaltrainer wären froh, eine solche Auswahl zu haben, aber bei Deutschland ist es eben die zweite Wahl. Jérôme Boateng und Mats Hummels sind auf einem anderen Level, wie auch die Statistiken zeigen. Sieben Mal spielte das Paar Boateng/Hummels zusammen bei einer EM oder WM - nie gelang dem Gegner mehr als ein Treffer.

Bei den vergangenen beiden wichtigen Turnieren entschied Hummels 65 Prozent der Zweikämpfe für sich, Boateng als Innenverteidiger sogar 71 Prozent. Obwohl die Gegner in den meisten seiner 14 Länderspiele schwächer waren, kommt Rüdiger auf weniger als 60 Prozent gewonnener Duelle.

Defizite gegen Australien

Gegen Australien, das in Sotschi lange sehr biederen Fußball bot, bestritten Mustafi mit vier und Rüdiger mit sieben sehr wenige Zweikämpfe. Die Quoten stimmten jedoch mit jeweils mehr als 70 Prozent. Süle, der als stabilisierender Faktor gedacht war und eingewechselt wurde, entschied allerdings nur eines von vier Duellen für sich. Zudem wirkte er in einigen Situationen schwerfällig.

Auch die scharfen, flachen und präzisen, weiten Pässe eines Boateng und Hummels fehlten der deutschen Mannschaft. Von den fünf weiten Pässen, die Rüdiger spielte, kam nur einer an, bei Mustafi, der vor dem 1:1 der Australier dem Zweikampf auswich, waren es zwei von fünf. Matthias Ginter wurde bei seinen zehn Länderspielen erst zwei Mal als Innenverteidiger eingesetzt. Er hat eine persönlich durchwachsene Saison beim BVB hinter sich. Ginter war anfällig für Fehler und wirkte in vielen Spielen ängstlich, einen Fehler zu machen.

Vidal verspricht "hohes Pressing"

Es würde überraschen, wenn der Weltmeister - ohne Einsatz in Brasilien - gegen Chile auflaufen würde. Rüdiger und/oder Süle haben bessere Chancen, an der/den Seite(n) von Mustafi zu spielen und sich mit aggressiven Chilenen auseinanderzusetzen. "Hohes Pressing", versprach Arturo Vidal bei der Pressekonferenz am Abend vor dem Spiel. Der zweiten Wahl steht eine Qualitätsprobe erster Güte bevor.

Stand: 21.06.2017, 20:00

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