Niklas Süle - Es läuft beim Lebemann

Nationalspieler und Vertrag bei Bayern München

Niklas Süle - Es läuft beim Lebemann

Von Marcus Bark (Sotschi)

Die Entbehrungen in der Jugend haben sich für den "Lebemann" gelohnt. Niklas Süle ist Nationalspieler geworden und bald Spieler des FC Bayern München.

Ein heißer Tag in Sotschi. Der Strand ist voll, auf der Promenade ist auch viel Betrieb. Drei deutsche Nationalspieler mischen sich auf Segways unter die Menge. Der eine, Joshua Kimmich, spielt schon beim FC Bayern. Der zweite, Leon Goretzka, wird mit den Münchnern in Verbindung gebracht.

Der dritte wird ab dem 1. Juli beim Rekordmeister angestellt sein. Niklas Süle steht schon in den passenden Schlappen auf dem Gefährt. Die rot-weißen Badelatschen trug er schon beim Interview mit der Sportschau ein paar Stunden zuvor.

Tor versehentlich in der Bayern-Ecke gefeiert

"Ich bin schon ein Lebemann", sagte er zu Gerd Delling. Er feiert mal ganz gerne, warum auch nicht. Niklas Süle verzichtete früher häufig, wenn seine Freunde ausgingen. Er wollte Fußballprofi werden - unbedingt. Nach seinem Wechsel von Darmstadt 98 zur TSG Hoffenheim liefen im dortigen Internat die Ausbildung zum Fußballer und die Schule parallel. Süle war froh, als er die Mittlere Reife in der Tasche hatte und sich ganz auf den Sport konzentrieren konnte.

"Läuft bei Dir", würden ihm die Talente heute im Internat wohl sagen, wenn sie auf Süles Laufbahn blicken. Allein ein Kreuzbandriss, der ihn für ein halbes Jahr pausieren ließ, fällt negativ ins Gewicht. Süle, heute 21, war erst 16 Jahre alt, als ihn der damalige Trainer Markus Gisdol zu den Profis bat, um mit ihnen zu üben. In der Bundesliga debütierte er mit 17, im November 2013 schoss er sein erstes Tor: "Ich war danach so nervös, dass ich in die falsche Ecke gelaufen bin." Es war die Ecke mit den Fans des FC Bayern.

Lob von Löw

Künftig wird es die richtige Kurve sein. Etwa 20 Millionen Euro sollen die Münchner für den Innenverteidiger bezahlt haben. Er trifft dort auf Mats Hummels und Jérôme Boateng, den er mal als sein Vorbild bezeichnete. Die beiden dürften - falls die Trainer auf eine Viererkette setzen - in den ganz großen Spielen den Vorzug bekommen, sei es im Verein oder in der Nationalmannschaft.

Bundestrainer Joachim Löw stellte zuletzt gegen Chile eine Dreierkette auf, mit Süle am linken Ende. Er war der Beste des Trios, gewann mehr als 70 Prozent seiner Zweikämpfe, das bedeutete die beste Quote in der deutschen Mannschaft. Löw lobte seinen 1,94 Meter großen Verteidiger, dessen Gewichtsangaben zwischen 89 (dfb.de) und 95 Kilogramm schwanken.

Eher 95 Kilo

Es seien eher 95, sagte Süle, wegen der Muskelmasse. Süßigkeiten und Fast Food mag Süle gerne, aber inzwischen habe er seine Ernährung umgestellt. Er will noch beweglicher werden, er will seine Schnelligkeit behalten. Manchmal wirkt Niklas Süle allerdings ein bisschen hüftsteif, auch antrittsschwach.

Niklas Süle

Hüftsteif? Niklas Süle umdribbelt die Slalomstangen.

"Er ist einer der Schnellsten bei uns gewesen. Das sieht nur so aus, weil er so groß ist", sagte ARD-Experte Kevin Kuranyi, der mit ihm bei der TSG Hoffenheim zusammenspielte.

Mehr als 100 Saisontore

Vier Länderspiele hat Süle, der früher mal Stürmer war und laut seines Vaters als Jugendspieler mehr als 100 Tore in einer Saison geschossen hat, inzwischen auf dem Konto.

Am Sonntag (25.06.2017) gegen Kamerun könnte es der fünfte Einsatz werden. Deutschland wird einen deutlichen Sieg benötigen, um als Gruppenerster das Halbfinale zu erreichen. Dann bliebe die Mannschaft noch ein paar weitere Tage in Sotschi und könnte weitere Fahrzeuge auf der Promenade ausprobieren. Die Auswahl ist groß, die Wetteraussichten sind gut.

Stand: 24.06.2017, 20:30

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