Confed Cup - Große Ziele vom "kleinen" Australien

Auftaktgegner des DFB-Teams

Confed Cup - Große Ziele vom "kleinen" Australien

Von Marco Schyns

Sie spielen in der Bundesliga, der Premier League und bei Inter Mailand. Die australischen Nationalspieler wollen beim Confed Cup ihr Können unter Beweis stellen. Zum Auftakt wartet Weltmeister Deutschland.

Mitch Langerak hat Großes vor in Russland. "Wir wollen ganz weit kommen in diesem Turnier", sagt der australische Nationaltorhüter im Interview mit der Sportschau über den Confederations Cup: "Für uns ist es ein ganz wichtiger Wettbewerb. Unser Coach hat gesagt, dass wir das Ding gewinnen wollen."

Es sind überraschend offensive Töne aus Australien. Einer vergleichsweise "kleinen" Fußballnation, die es bei einer Weltmeisterschaft noch nie über das Achtelfinale hinaus geschafft hat, beim Confed Cup vor 20 Jahren aber immerhin im Finale stand.

Australien als Asienmeister beim Confed Cup

Für den einen oder anderen mag die Konstellation mit Australien und Neuseeland in einem Turnier noch merkwürdig sein. Die "Socceroos" aber treten seit einigen Jahren nicht mehr in der Ozeanien-, sondern in der Asienmeisterschaft an. Ein entsprechender Antrag wurde damals vom Weltverband genehmigt.

Für Australien heißt das konkret: Kein fast aussichtsloses Playoff-Spiel gegen eine südamerikanische Mannschaft um die WM-Qualifikation und sehr viel mehr Gegner auf Augenhöhe. Weil sie bei der letzten Asienmeisterschaft 2015 auch Schwergewichte des Kontinents wie Südkorea und Japan hinter sich ließen, sind sie in diesem Jahr als Titelträger in Russland vertreten.

Probleme in der WM-Qualifikation

Ob das Team um den Stuttgarter Torhüter Langerak auch im kommenden Jahr wiederkommen darf, ist dagegen noch lange nicht klar. In Gruppe B der Asienqualifikation liegen die Australier, obwohl sie noch ohne Niederlage sind, derzeit nur auf dem dritten Platz hinter Japan und Saudi-Arabien. Am 31. August kommt es dann zum Spitzenspiel gegen Japan um Langeraks Ex-Teamkollegen Shinji Kagawa.

Langerak: DFB-Elf "auf jeder Position gut besetzt"

Daran verschwendet der 28 Jahre alte Keeper aktuell aber noch keinen Gedanken. Stattdessen liegt der Fokus auf dem Duell mit Deutschland am Montag (19.06.17) in Sotschi. "Wir haben ein ganz schweres Spiel vor der Brust", sagt Langerak, der dem deutschen Perspektivkader eine hohe Qualität bescheinigt: "Sie spielen mit einer jungen Mannschaft, aber der ganze Kader ist auf jeder Position gut besetzt."

Torhüter-Position - Langerak oder Ryan?

Unklar ist, ob Langerak gegen das DFB-Team überhaupt auflaufen wird. Bei der bitteren 0:4-Testspielniederlage gegen Brasilien vergangene Woche durfte er von Beginn an ran - und musste schon nach 10 Sekunden hinter sich greifen. Wenige Tage zuvor, beim 3:2-Sieg gegen Saudi-Arabien in der WM-Qualifikation, stand noch Mathew Ryan im Kasten.

Mitch Langerak (M.) mit seinen australischen Nationalmannschaftskollegen

Mitch Langerak (M.) im Kreise der australischen Nationalspieler.

Der 25-Jährige hatte, trotz seiner Reservistenrolle beim FC Valencia in Spanien, zuletzt die Position als Nummer eins inne. "Im Moment haben wir keine Ahnung, wer gegen Deutschland spielt", sagt Langerak: "Mathew hat in den letzten Spielen sehr gut gespielt, ich durfte aber auch mal ran. Alles ist noch offen." Und doch ergänzt Langerak vorsichtig und bescheiden: "Ich gehe davon aus, dass Mathew spielt."

Profis aus Deutschland, England und Italien

Unabhängig davon, ob Langerak im Tor steht oder nicht: Einen Bundesliga-Profi bekommen die Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit trotzdem zu sehen. Matthew Leckie, gerade erst von Absteiger FC Ingolstadt zu Hertha BSC gewechselt, gehört zu den Stützen der "Socceroos".

Der für seine gute Technik bekannte Leckie ist ein Beweis dafür, dass Australien weit mehr kann als aggressiv verteidigen und "Kick and Rush". Anders als beispielsweise der Nachbar Neuseeland bringt Australien Spielkultur mit. Ihre Spieler kicken in der Bundesliga, der Premier League (Aaron Mooy von Huddersfield Town) und der Serie A (Trent Sainsbury von Inter Mailand).

Altstar Cahill nur noch Ergänzungsspieler

Trainer Ange Postecoglou hat den bestmöglichen Kader für den Confed Cup nominiert. Da darf natürlich auch Rekordtorschütze Tim Cahill nicht fehlen, trotz seiner inzwischen 37 Jahre. Anders als bei den vergangenen Turnieren ist der ehemalige Spieler des FC Everton aber nur noch Ergänzung.

Ob mit oder ohne Cahill, Bundestrainer Joachim Löw ist sich sicher, dass Australien es dem DFB-Team nicht leicht machen wird. "Australischer Fußball kommt ein bisschen aus dem Rugby", sagt Löw: "Sie sind physisch sehr stark, haben eine unglaublich gute Mentalität, geben nicht auf, lassen nicht nach. Es ist eine Mannschaft, die schwer zu bespielen ist."

Daran glaubt auch Mitch Langerak: "Punkten oder vielleicht gewinnen ist das Ziel. Uns würde das nicht überraschen. Vielleicht andere, aber nicht uns selber."

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Australien: 1 Ryan - 2 Degenek, 20 Sainsbury, 5 Milligan - 13 Mooy, 22 Irvine - 7 Leckie, 23 Rogic, 21 Luongo, 16 Behic - 9 Juric 
Deutschland: 12 Leno - 17 Süle, 2 Mustafi, 16 Rüdiger - 18 Kimmich, 8 Goretzka, 21 Rudy, 3 Hector - 7 Draxler - 13 Stindl, 9 Wagner
Schiedsrichter: Geiger (USA)

Thema in: Tagesschau, das Erste, 19. Juni 2017, 20.00 Uhr sowie Sport aktuell, Deutschlandfunk, 18. Juni 2017, 22.50 Uhr

Stand: 18.06.2017, 19:38

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