Videobeweis - Richtig entschieden, schlecht kommuniziert

Chiles Eduardo Vargas (l.) blickt auf Schiedsrichter Demir Skomina

Vier Fälle in den ersten drei Spielen

Videobeweis - Richtig entschieden, schlecht kommuniziert

Von Michael Ostermann

Vier Mal kam der Videobeweis am Wochenende beim Confed Cup zum Einsatz. Die Verwirrung war groß, aber die Entscheidungen richtig. Das Problem ist vor allem mangelnde Kommunikation.

Mehr als zwei Minuten dauerte es bis klar war, ob die Portugiesen zurecht gejubelt hatten oder nicht. Cedric Soares hatte mit einem abgefälschten Schuss das 2:1 für Portugal gegen Mexiko erzielt. 2:09 Minuten später hatte der Videoschiedsrichter seine Entscheidung getroffen: alles korrekt.

Unterbrechungen sorgen für Verwirrung

Der Fußball testet beim Confed Cup seinen Umgang mit dem Videoschiedsrichter. Eingegriffen werden soll nur bei entscheidenden Situationen wie Toren, Abseits, Roten Karten oder Elfmetern. Nach dem ersten Wochenende lässt sich festhalten: So richtig rund läuft die Sache noch nicht. Vier Mal haben die Schiedsrichter auf den Videobeweis zurückgegriffen. Jedes Mal ging es dabei um die Frage Tor oder nicht. Die getroffenen Entscheidungen waren - da waren sich hinterher alle einig - richtig. Aber jedes Mal hatte die Unterbrechung des Spiels für einige Verwirrung bei Spielern und Zuschauern gesorgt.

"Es ist wahr, dieses System kann eine Menge Atemnot hervorrufen", sagte Chiles Trainer Juan Antonio Pizzi. Auch beim 2:0 der Chilenen gegen Kamerun war der Videobeweis zwei Mal zum Einsatz gekommen. Kurz vor der Pause hatte der slowakische Schiedsrichter Damir Skormina einen Treffer von Eduardo Vargas zunächst gegeben. Der Videoschiedsrichter erkannte aber eine hauchdünne Abseitsstellung. Das Tor zählte nicht, aber die Frage Abseits oder nicht, war dennoch nicht komplett aufzulösen.

Ein Kommunikationsproblem

Als Vargas in der Nachspielzeit dann noch einmal traf, hatte der Assistent die Fahne wegen Abseits gehoben. Diesmal aber war es ein regulärer Treffer, wie das Studium der TV-Bilder ergab. "Wichtig ist, es wurden die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte selbst Kameruns Trainer Hugo Broos danach. "Der Videobeweis kann etwas sehr Wichtiges werden. Das hat sich heute gezeigt." Dass die Anwendung der neuen Technologie dennoch eher Verwirrung stiftete, lag vor allem daran, dass Spieler und Publikum jedes Mal lange rätseln mussten, wann und warum der Videoreferee zurate gezogen wurde.

Ein Kommunikationsproblem. Denn richtig deutlich wird nicht, wenn der Videobeweis eingesetzt wird. Der Schiedsrichter steht in Funkkontakt mit dem Kollegen am Bildschirm. Erst nachdem dieser seine Entscheidung gefällt hat, zeigt der Unparteiische auf dem Platz mit einer Geste, die einen Bildschirm symbolisieren soll, dass der Videobeweis eingesetzt worden ist. In der Zwischenzeit dürfen alle anderen rätseln, was los ist. In den vier Fällen am Wochenende dauerte es zwischen 56 Sekunden und besagten 2:09 Minuten bis eine Entscheidung feststand.

Confed Cup - Wirbel um den Videoschiedsrichter

Sportschau | 18.06.2017 | 01:10 Min.

Komplexe Situationen

"Es sind die neuen Regeln, wenn es dem Fußball hilft, super. Niemand versteht den Videobeweis bislang allerdings", sagte Portugals Trainer Fernando Santos, nachdem ein vermeintlicher Treffer von Nani, nicht gegeben worden war. Er habe versucht rauszufinden, warum das Tor nicht zählte. "Es war ein bisschen verwirrend." Die Szene war in der Tat komplex. Denn vor dem Tor hatte Pepe nach einem Heber in den Strafraum im Abseits gestanden, der den Ball dann auf Nani ablegte. Niemand im Stadion aber wusste, welche Szene der Videobeweis klären sollte.

Es wird also in erster Linie darauf ankommen, die Beteiligten im Stadion besser zu informieren. Beim 2:1 der Portugiesen gegen Mexiko dauerte es nicht nur sehr lange, bis die Entscheidung feststand. Alle Spieler standen zum Anstoß bereit, als klar wurde, dass der Videoschiedsrichter im Einsatz war. Der Platz-Schiedsrichter machte anschließend aber keine Geste, die darauf hindeutete, dass auf Tor entschieden worden war.

"Mehr Gerechtigkeit"

Ein weiteres Problem sprach Portugals Trainer Santos an, nachdem Mexiko in der Nachspielzeit noch zum Ausgleich gekommen war. "Der Videoreferee wurde nur bei unseren Toren benutzt, obwohl die Szene vor dem 2:2 auch sehr komplex war." Die Diskussionen um den Videobeweis werden deshalb wohl noch eine Weile weitergehen. Ob der Einsatz der Technik zum Standard wird, ist noch offen. So verwirrend die Premiere auch gewesen sein mag, die Vorteile sind auch erkennbar. "Am Ende wird die Technologie wahrscheinlich mehr Gerechtigkeit ins Spiel bringen", vermutet ChilesTrainer Pizzi. Es muss aber vor allem besser kommuniziert werden.

Stand: 19.06.2017, 11:39

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