Stellenwert des Confed Cups - von Ablehnung bis Riesenfreude

Deutlich andere Wahrnehmung außerhalb Deutschlands

Stellenwert des Confed Cups - von Ablehnung bis Riesenfreude

Von Marcus Bark (Sotschi)

Deutschland schont seine Stars, der Präsident des DFB würde den Confed Cup am liebsten abschaffen. In anderen Ländern wird das Turnier viel höher eingeschätzt, wie auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff sagt.

Zur besten Sendezeit räumte "Channel One", der erste Kanal des russischen Fernsehens, dem Confed Cup mehrere Minuten in der Nachrichtensendung ein. Es waren noch gut 20 Stunden bis zum ersten Anstoß. Am Samstag (17.06.17) geht es mit dem Spiel zwischen Russland und Neuseeland los (ab 16.05 Uhr live im Ersten). Der Bericht, den mehrere Millionen Menschen im ersten Kanal sahen, begann mit Stimmen aus der Eröffnungspressekonferenz.

Witali Mutko (oben im Bild), stellvertretender Ministerpräsident, Cheforganisator des Turniers und Funktionär mit äußerst zweifelhaftem Ruf, wischte alle Bedenken weg, dass Hooligans die Veranstaltung stören könnten.

Die Lage der Arbeiter auf den WM-Baustellen sei auch nicht besorgniserregend, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch behauptet habe, sagte Alexej Sorokin. Alle sind bereit, alles wird gut - das ist die Botschaft der FIFA und der Russen.

Deutschland bildet die Ausnahme

Der Chef des WM-Organisationskomitees fand ein paar Tage zuvor allerdings ein Haar in der Suppe. Jedem Fußballfan, so Sorokin, "blutet das Herz", weil die deutsche Nationalmannschaft ihre Stars in den Urlaub geschickt habe.

Der Weltmeister bildet damit eine Ausnahme. Chile reiste mit Arturo Vidal und Alexis Sanchez an, Mexiko mit Javier Hernandez, beim Europameister ist Cristiano Ronaldo dabei. "Wenn der sich die Zeit nimmt, zeigt das, wie sich Portugal hier präsentieren möchte", sagte Oliver Bierhoff, als er nach dem Stellenwert des Confed Cups in anderen Ländern gefragt wurde. Auch zur Aussage des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, dass der Konföderationenpokal abgeschafft werden sollte, nahm der Nationalmannschaftsmanager Stellung.

Oliver Frick, Chef des ARD-Hörfunks beim Confed-Cup, stellte die These auf, das Gastgeberland einer Weltmeisterschaft komme ohne einen ernsthaften Testlauf gar nicht mehr aus. Der Confed Cup könne also gar nicht abgeschafft werden. Bierhoff stimmte zu, dass eine solche Generalprobe "enorm wichtig" sei, er verwies aber auch auf den Terminkalender und die Belastungen der Spieler.

Australien ist am Montag der erste Gegner der deutschen Nationalmannschaft. Lucy Zelic, Moderatorin beim australischen Fernsehsender SBS, war sehr erstaunt, als sie von Grindels Plänen erfuhr, den Confed Cup zu streichen. Der ARD sagte die Schwester des ehemaligen Bundesligaprofis Ned Zelic, dass es für eine Mannschaft wie Australien sehr wichtig sei, unter Wettbewerbsbedingungen gegen solch starke Gegner wie etwa Deutschland zu spielen.

Nadja Ka wollte sich eine Eintrittskarte für das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Australien kaufen, aber an ihrem Ticketschalter habe es keine mehr gegeben. Die Russin, die seit einem Jahr am Spielort Sotschi wohnt, habe sich deshalb eine Karte für die Partie Mexiko gegen Neuseeland gesichert.

Dass noch etwa ein Drittel aller Tickets für das Turnier zur Verfügung stünden, höre sie zum ersten Mal, sagte Ka am Tag vor dem Eröffnungsspiel zur Sportschau. Sie glaubt, dass es der Mehrheit genauso geht wie ihr: "Die meisten Russen freuen sich total auf dieses Fußballereignis."

Historie, Sinn und Unsinn des Confed-Cups

Sportschau | 16.06.2017 | 02:25 Min.

Stand: 17.06.2017, 08:55

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