Schmeichelhaft: Hernandez bleibt Weltmeister

Troy Ross - Yoan Pablo Hernandez

Fans pfeifen nach Urteil

Schmeichelhaft: Hernandez bleibt Weltmeister

Von Sanny Stephan

Yoan-Pablo Hernandez hat seinen Weltmeistertitel der Version IBF am späten Samstagabend (15.09.2012) gegen den starken Kanadier Troy Ross verteidigt. Sieben Monate nach seinem letzten Kampf hatte der 27-jährige Cruisergewichtler extrem viel Glück. Der 114:113, 115:112, 116:112-Punktsieg überraschte (fast) alle. Hernandez, der vor sieben Jahren aus Kuba nach Deutschland geflüchtet war und jetzt in Halle/Saale lebt, wandelte zwei Mal am Knockout und gewann dennoch überraschend klar nach Punkten. Die Fans in Bamberg quittierten die Entscheidung mit Pfiffen.

Pflichtherausforderer Ross, der den Sieg oder mindestens ein Remis verdient hatte, war verständlich sauer: "Es ist eine schlechte Entscheidung. Wir hören ja, wie die Fans denken. Die Leute haben gesehen, wer hier gewonnen hat. So eine Entscheidung ist nicht in Ordnung." Hernandez-Trainer Ulli Wegner hielt dagegen: "Wenn die Leute hier so reagieren, müssen wir uns fragen, ob wir überhaupt noch einmal nach Bamberg kommen. Es war ein spannender Kampf, der eng war. Der souveränere und aktivere Mann war natürlich Hernandez." Nun ja, mit dieser Meinung war Wegner an diesem Abend nahezu allein.

Szenen des Skandalkampfes Hernandez vs. Ross

Yoan Pablo Hernandez bleibt IBF-Weltmeister im Cruisergewicht. Doch einen Sieg gegen den Kanadier Troy Ross sahen nur die drei Punktrichter. Sehen Sie hier noch einmal die besten Bilder des Duells.

Troy Ross - Yoan Pablo Hernandez

Es war die erste echte Titelverteidigung für den IBF-Weltmeister im Cruisergewicht Yoan Pablo Hernandez. Und mit dem Kanadier Troy Ross bekam der Kubaner einen erfahrenen und gefährlichen Pflichtherausforderer vorgesetzt. Der 37-jährige Ross hatte bereits 2010 gegen Steve Cunningham seine Qualitäten gezeigt und war dort nur durch eine Verletzung am Augenlid gestoppt worden.

Es war die erste echte Titelverteidigung für den IBF-Weltmeister im Cruisergewicht Yoan Pablo Hernandez. Und mit dem Kanadier Troy Ross bekam der Kubaner einen erfahrenen und gefährlichen Pflichtherausforderer vorgesetzt. Der 37-jährige Ross hatte bereits 2010 gegen Steve Cunningham seine Qualitäten gezeigt und war dort nur durch eine Verletzung am Augenlid gestoppt worden.

Bereits in der ersten Runde merkten die Zuschauer in Bamberg, dass es hier ein ganz enges Gefecht geben wird. Hernandez startete mit guten Führhänden. Ross stand hinter seiner Doppeldeckung und ließ immer wieder die rechte Führhand fliegen.

In der dritten Runde schlug es zum ersten Mal richtig ein beim IBF-Weltmeister. Eine Linke erwischte Hernandez am Kopf. Er ging zu Boden, wenn er auch mehr ausgerutscht war. Ross setzte nach und brachte den Wegner-Schützling bereits mächtig in Bedrängnis.

In der fünften Runde sah Hernandez erneut eine Linke des Herausforderers nicht kommen und wurde schwer getroffen. Nachdem der Ringrichter ihn anzählte, torkelte der Weltmeister durch den Ring, war eigentlich mehrfach nicht mehr kampffähig und kampfbereit. Dennoch schaffte er es irgendwie in die Rundenpause.

Danach beruhigte sich der Kampf. Hernandez fehlte bei seinen Aktionen aber nun das Distanzgefühl. Zudem lief er immer wieder in die blitzschnellen Konter seines Herausforderers.

In der neunten Runde erwischte Hernandez seinen Gegner zum ersten Mal richtig. Nach einer Linken wankte nun auch Ross. Doch der Kanadier erholte sich schnell, zumal Hernandez die Mittel fehlten, um konsequent nachzusetzen.

In den letzten Runden hätte der Weltmeister eigentlich noch einmal Gas geben müssen. Doch die Ringecke um Trainer Ulli Wegner blieb erstaunlich gelassen. Der Coach sagte nur: "Du musst gut aussehen." Vermutlich wussten sie bereits, wie sich die Punktrichter entschieden haben.

Die löchrige Deckung

Hernandez boxte erstmals mit einer Titan-Platte in der linken Schlaghand. Die Hand hatte sich der Schützling von Ulli Wegner beim spektakulären Sieg gegen Ex-Weltmeister Steve Cunningham gebrochen. Auch Troy Ross boxte in den letzten beiden Jahren auf Sparflamme (2 Kämpfe) – und war dementsprechend motiviert. Schon in der ersten Runde zückte der Pflichtverteidiger blitzschnell seine Rechte. "Mach ja zu. Nicht, dass du dir so ein Ding einhandelst", warnte Wegner seinen Weltmeister. Beide boxten extrem explosiv und teilten aus. Dabei vernachlässigte Hernandez immer wieder die Deckung und schluckte in der dritten Runde mehrere harte linke Hände. Er wirkte angeschlagen und boxte wild mit, anstatt das Tempo rauszunehmen. "Reiß dich zusammen, mach die Deckung zu. Du musst klug boxen",  warnte Wegner. Die Worte fruchteten nicht. Hernandez fand kein Mittel gegen den bissigen Ross. Obwohl er elf Zentimeter größer ist, kam der 37-jährige Ross immer wieder in den Infight und zu Treffern.

5. Runde - Hernandez wackelt

Troy Ross - Yoan Pablo Hernandez

In der 5. Runde fand der Herausforderer wieder Lücken in der löchrigen Deckung. Eine krachende Linke erwischte Champion Hernandez erneut. Er musste angezählt werden. Der Kampf schien vor dem Aus zu stehen. Doch der Ringrichter ließ Hernandez am Leben - und der Weltmeister schindete Zeit und rettete sich irgendwie in die Pause. Ross blieb aber der Chef im Ring, agierte aber nicht mehr so wirkungsvoll. Hernandez konnte sich sammeln und schlug in der 9. Runde eindrucksvoll zurück. Mit einer gewaltigen Linken erwischte er Ross, der erstmals in dem spannenden Gefecht durch den Ring wankte. Der Kampf stand auf Messerschneide – und Wegner wirkte besorgt: "Komm, du musst das schaffen", flehte er seinen Schützling, den er das "größte Talent, das ich in meiner langen Laufbahn betreut habe" nennt, an. Doch das Talent wackelte. Für einen "Lucky Punch" reichte die Kraft nicht. Die vielen Schläge und Treffer hatten ihre Wirkung hinterlassen. Auch in der Endphase des spektakulären Duells wirkte deshalb Ross noch eher wie der Boss – nur nicht auf den Zetteln der Punktrichter.  

Wer traut sich noch gegen Ross?

Yoan Pablo Hernandez

Hernandez darf jubeln - Ross ist bestürzt.

Für den 37-jährigen Ross war es die dritte Niederlage im 28. Kampf. Seine Zukunft steht trotz des großen Auftritts in den Sternen. Schon vor dem Kampf hatte er geklagt, dass sich Europäer nicht unbedingt um ihn reißen. Schuld daran seien die starken Auftritte. So hatte er im Juni 2010 den damaligen Weltmeister Steve Cunningham am Rand einer Niederlage ehe er wegen einer Verletzung aufgeben musste. Danach, so sein Trainer Amos, "wollte keiner mehr gegen uns antreten. Alle hatten Angst, gegen uns zu verlieren." Das dürfte sich nach dem Auftritt gegen Hernandez nicht großartig ändern. Der Sauerland-Schützling bleibt dagegen im Geschäft. Seinen nächsten Gegner legte die IBF schon fest. Demnach wird es einen Ausscheidungskampf zwischen dem starken Polen Pawel Kolodziej und dem Amerikaner Garrett Wilson geben. Der Gewinner dieses Kampfes wird dann um den IBF-Gürtel gegen Hernandez boxen.

Stand: 16.09.2012, 00:30

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