Herrenstaffel verliert WM-Titel an Norwegen

Das norwegische Gold-Quartett: Johannes Thingnes Bö, Ole Einar Björndalen, Emil Hegle Svendsen, Tarjei Bö (v.l.n.r.)

Biathlon-WM in Oslo

Herrenstaffel verliert WM-Titel an Norwegen

Bei der Biathlon-WM in Oslo hat Titelverteidiger Deutschland die Silbermedaille in der Herrenstaffel gewonnen. Ein entfesselt auftretendes norwegisches Quartett war am Samstag (12.03.16) zu Hause am Holmenkollen nicht zu schlagen. Auf dem dritten Platz gab es eine Überraschung.

Das deutsche Team mit Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp zeigte bei der Staffel über 4 x 7,5 Kilometer eine beeindruckende Leistung in der Loipe und bei den Schießeinlagen. Insgesamt leistete sich das Quartett nur fünf Nachlader. Startläufer Lesser hatte auf Doll noch mit mehr als sieben Sekunden Vorsprung auf den Norweger Ole Einar Björndalen übergeben. Doll und Tarjei Bö kamen gleichzeitig zum zweiten Wechsel.

Johannes Thingnes Bö zieht davon

Biathlon-WM, Staffel der Herren

Den Grundstein für den norwegischen Sieg legte dann Tarjei Bös jüngerer Bruder Johannes Thingnes, der seine beiden Schießeinlagen mit unwiderstehlicher Geschwindigkeit absolvierte. Arnd Peiffer hatte dagegen zwei Nachlader und beim dritten Wechsel fast 30 Sekunden Rückstand.

Svendsen macht's kurz noch spannend - 20. Titel für Björndalen

Emil Hegle Svendsen

Emil Hegle Svendsen im Ziel

Am Ende sicherte der norwegische Schlussläufer Emil Hegle Svendsen den Sieg seines Teams, obwohl er beim letzten Schießen zwei Mal nachladen musste. Aber auch sein deutsches Pendant Schempp schoss einmal daneben. Er verkürzte zwar den Rückstand zunächst auf etwa zehn Sekunden, doch Norwegen hielt diesen komfortablen Vorsprung und ließ sich den Heim-Triumph nicht mehr nehmen. Die Skandinavier holten sich damit den Staffel-Titel zurück, den sie zuletzt an Deutschland verloren hatten. Davor war Norwegen vier Mal in Folge Staffel-Weltmeister. Für den 42 Jahre alten Ole Einar Björndalen war es bereits der 20. WM-Titel.

Bundestrainer: "Richtig starkes Ding"

Simon Schempp

Simon Schempp freut sich über Silber

"Die ersten beiden haben mir eine super Ausgangsposition verschafft. Aber ich musste leider den Norweger davonziehen lassen. Das hat mich geärgert. Aber jetzt überwiegt die Freude über die Silbermedaille", sagte Peiffer im ZDF. Teamkollege Lesser ergänzte: "Wir sind superhappy und haben wieder ein unglaubliches Spektakel geboten. Die Norweger sind die stärksten in der Loipe, gegen die kann man auch mal verlieren." Und Bundestrainer Mark Kirchner sagte gegenüber sportschau.de: "Das Ziel war es, ums Podium mitzulaufen. Das haben wir geschafft und einmal mehr unter Beweis gestellt, dass wir zu den besten gehören. Knapp geschlagen von Norwegen - die Jungs haben wieder ein richtig starkes Ding gemacht."

Kanada überrascht mit Bronze

Den dritten Platz erreichten - mit einem Rückstand von etwa zwölf Sekunden auf Deutschland - etwas unerwartet die Kanadier (Christian Gow / Nathan Smith / Scott Gow / Brendan Green), die ebenfalls nur fünf Nachlader hatten. Die Nordamerikaner werden vom bayerischen Coach Matthias Ahrens trainiert. Die Mitfavoriten aus Russland und Frankreich mit dem vierfachen Oslo-Weltmeister Martin Fourcade spielten diesmal keine Rolle.

Norwegen gewinnt Staffel - DSV jubelt über Silber

Norwegens Biathlon-Herren haben die Staffel bei der Heim-WM gewonnen. Und das mit einer souveränen Vorstellung. Dennoch jubelte man im DSV-Lager über ein starkes DSV-Quartett und eine Silbermedaille.

Medaillenübergabe nach der Herren-Staffel der Biathlon-WM

Medaillen-Selfie

So schön kann ein Samstag in Oslo enden. Mit einem Silber-Selfie der deutschen Staffel-Herren auf der "Medals Plaza" in der norwegischen Hauptstadt.

Medaillen-Selfie

So schön kann ein Samstag in Oslo enden. Mit einem Silber-Selfie der deutschen Staffel-Herren auf der "Medals Plaza" in der norwegischen Hauptstadt.

Gruppenbild mit Silber

Nach der WM-Goldmedaille im Vorjahr in Kontiolahti feierten die DSV-Herren, Trainer und Betreuer Silber - und zwar so ausgelassen wie den Titel vor zwölf Monaten.

Norwegischer Jubel

Apropos ausgelassen - die norwegischen Fans waren mehr als ausgelassen. Ihr Team bekam auf dem mit mehreren tausend Fans gefüllten Platz vor dem Nationaltheater nämlich ...

Glänzendes Gastgeber-Quartett

... neben goldenen Jacken auch goldene Medaillen umgehängt.

Besuch beim König

Am Nachmittag durfte das siegreiche Quartett schon zum König. Und der freute sich sichtlich, nach einer Woche mit Martin Fourcade nun den eigenen Biathlon-Jungs die Hände schütteln zu dürfen. Wobei "Jungs" in diesem Bild nicht ganz stimmt - vielmehr ist es die Begegnung von Biathlon-König Ole Einar mit Norwegens König Harald V.

Björndalen-Bestmarke

"Oldie" Björndalen durfte bereits seinen 20. WM-Titel entgegen nehmen. Der sonst so ruhige und gefasste Rekord-Weltmeister sagte nach der Medaillenübergabe: "Ich war schon auf vielen Siegerehrungen. Aber so etwas wie hier bei der WM habe ich noch nie erlebt. Da ist so viel Energie. Das kann man nicht beschreiben."

Ausverkauft!

Dass es ein aufregender Tag werden würde, war schon vor dem Rennen klar: Das Stadion war ausverkauft. Rund 25.000 Fans kamen, um ein packendes Staffelrennen zu sehen.

Feueralarm

Aufregend begann der Tag auch für die deutschen Herren um Startläufer Erik Lesser. Ein Feueralarm im Hotel brachte das Team nachts um 1.45 Uhr um den Schlaf. Der Betreuer des tschechischen Teams hatte unerlaubt auf seinem Zimmer eine Zigarre geraucht und damit den Alarm ausgelöst.

Startschuss

Im Rennen war das DSV-Quartett dann aber von Beginn an hellwach.

Lesser als Startläufer eine Bank

Erik Lesser als Startläufer war wieder mal eine Bank. Der Thüringer ließ sich in der Loipe von Björndalen nicht abschütteln. Nach dem Rennen sagte der Thüringer: "Dass wir auf dem Podium landen, war nicht ganz unerwartet. Dass sich die Norweger aber so lange mit uns rumärgern mussten, haben wir uns vorher nur erträumt."

Übergabe als Erster

Dank seines fehlerfreien Schießens setzte er sich an die Spitze und schickte Benedikt Doll als Führenden auf die Strecke. Lesser gab später zu: "Die Anspannung war extrem groß, dass wir alle unser Zeug machen." Und zu den Zuschauern: "Wenn das eigene Rennen dann durch ist und man die anderen beobachtet und sieht, wie die Norweger durchdrehen, ist das schon sehr emotional."

Frankreich früh aus dem Rennen

Mitfavorit Frankreich war zu diesem Zeitpunkt schon längst aus dem Rennen. Bereits Startläufer Simon Fourcade (re.,) fiel mit vier Nachladern weit zurück. Später machten es Simon Desthieux und Quentin Fillon Maillet nicht besser, so dass Martin Fourcade seine Schlussrunde als lockeres Training nutzen konnte. Oder auch musste.

"Rennsemmel" Doll bleibt vorne dran

Doll (re.), an Position zwei, leistete sich zwar liegend und stehend je einen Nachlader. Hier kann der Norweger Tarjei Bö (vorn) nach dem Stehendanschlag schon entwischen, während Doll noch nachladen muss. Bis zum Wechsel war die "Rennsemmel", wie Doll von Lesser genannt wird, wieder dran an der Spitze. Nach dem Wettkampf sagte Doll: "Meine erste WM-Medaille ist etwas ganz Besonderes. Man sagt, es ist ein Wettkampf wie jeder andere. Das funktioniert natürlich nicht, ich war gestern Abend schon sehr nervös. In der Nacht habe ich auch nicht sonderlich viel geschlafen."

Russland kommt nicht aus der Krise

In der zweiten Runde hatte sich ein weiteres Favoritenteam aus dem Kampf um die Medaillen verabschiedet. Jewgeni Garanitschew wollte den Rückstand von Startläufer Zwetkow aufholen, riskierte beim Schießen jedoch zuviel und kassierte eine Strafrunde.

Vorentscheidung bei den dritten Läufern

Die Vorentscheidung fiel bei den dritten Läufern. Arnd Peiffer brauchte liegend einen Nachlader und musste Johannes Thingnes Bö (li.) und den Kanadier Scott Gow (re.) ziehen lassen.

Gegen Bö war ein Nachlader zuviel

Im Stehendanschlag schnappte sich Peiffer (2. v.l.) mit nur einem Nachlader zwar den Kanadier wieder. Bö war zu diesem Zeitpunkt aber schon weg. Da seine berüchtigte Schnellfeuereinlage traf, vergrößerte er den Vorsprung.

Schempp mit Hypothek von 29 Sekunden

Bis zum Wechsel summierte sich der auf eine halbe Minute. "Die ersten beiden haben mir eine super Ausgangsposition verschafft. Aber ich musste leider den Norweger davonziehen lassen. Das hat mich geärgert", meinte Peiffer im Ziel.

Svendsen macht es nochmal spannend

Norwegens Schlussläufer Emil Hegle Svendsen konnte also mit einem beruhigenden Vorsprung von 28 Sekunden auf seine Runde gehen - wie beim Radsport auf einer Tafel vom Betreuer angezeigt.

Svendsen macht es nochmal spannend

Zwei bis drei Nachlader konnte sich der 30-Jährige leisten. Zwei davon nahm er in Gebrauch.

Schempp kann Gelegenheit nicht nutzen

Doch auch Simon Schempp patzte einmal beim Stehendschießen, und kam so "nur" auf zehn Sekunden an den Norweger heran. Später sagte Schempp: "Der Emil ist natürlich kein unbeschriebenes Blatt, da muss man erstmal hinkommen.Er ist super in Form. Ich habe alles versucht, kurz vor Schluss war aber schon klar, dass wir das nicht mehr schaffen."

Der Gold-Moment

Auf der Schlussrunde ließ sich der bis dato elfmalige Weltmeister den Sieg dann nicht mehr nehmen. Svendsen machte das Dutzend voll - der versöhnliche Abschluss einer ansonsten verkorksten Saison.

Jubel über Silber I

Aber auch Schempp jubelt im Ziel. Nach durchwachsenen Auftritten in den Einzeldisziplinen holt sich der Uhinger seine zweite Medaille bei dieser WM. "Wir sind absolut zufrieden mit der Silbermedaille. Es war definitiv kein Selbstläufer, da steckt harte Arbeit dahinter. Wir haben heute alle eine super Leistung gezeigt und sind einfach mit Silber belohnt worden", sagte Schempp nach dem Rennen

Jubel über Silber II

Auch die Teamkameraden sowie Trainer und Betreuer jubeln. Die sechste Medaille ist im Kasten. Bundestrainer Mark Kirchner sagte: "Das Ziel war es, ums Podium mitzulaufen. Das haben wir geschafft und einmal mehr unter Beweis gestellt, dass wir zu den Besten gehören. Knapp geschlagen von Norwegen - die Jungs haben wieder ein richtig starkes Ding gemacht."

Gastgeber sichern sich ihr drittes Gold

Riesengroß die Freude bei Tarjei Bö, Emil Hegle Svendsen, Ole Einar Björndalen und Johannes Thingnes Bö (v. li.) über das dritte Gold für "Team Norge" bei dieser WM.

Sechste Medaille für das DSV-Team

Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp (v. li.) holen die sechste Medaille für den DSV bei dieser WM. Für Peiffer und Schempp ist es in Oslo das zweite Staffelsilber.

Überraschungsdritter Kanada

Überraschend auf dem dritten Platz kam das Team aus Kanada. Die Nordamerikaner haben zwar mit Nathan Smith einen Silbermedaillengewinner von der WM im vergangenen Jahr in ihren Reihen, aber dass auch die Brüder Christian und Scott Gow sowie Schlussläufer Brendan Green (Foto) im Konzert der Großen bestehen können, hatte keiner erwartet. Im Weltcup liegen die Kanadier auf Platz neun.

Und auch Kanada ...

... lässt sich auf der "Medals Plaza" feiern.

Und dann schon Abbau

Und dann ist alles auch schon wieder vorbei. Während die Athleten noch ins Hotel zurückfahren, wird schon mit dem Abbau des "Medals Plaza" begonnen. Sonntag sind zwar noch zwei Wettbewerbe, die Medaillenvergabe findet im Rahmen der "Closing Ceremony" dann aber im Stadion am Holmenkollen statt.

eei | Stand: 12.03.2016, 17:24

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