Viertes Gold - harter Kampf für Fourcade

Martin Fourcade beim WM-Einzel von Oslo (10.3.16)

WM in Oslo

Viertes Gold - harter Kampf für Fourcade

Der Franzose Martin Fourcade bleibt der "Unbesiegbare". Er schnappte sich bei der WM auch im Einzel Gold. Dabei forderte ihn die Konkurrenz mächtig. Im Gegensatz zu den Deutschen.

Vierter Start - viertes WM-Gold für Martin Fourcade. Was sich so scheinbar locker anhört, das war für den Franzosen bei der WM in Oslo allerdings ein hartes Stück Arbeit. Er patzte einmal und musste bärenstarke Konkurrenz in Schach halten. Die deutschen Athleten gehörten da nicht dazu.

Thingnes Bö als "tragischer Held" - ÖSV-Duo überraschte

Johannes Thingnes Bö beim WM-Einzel (10.3.16)

Johannes Thingnes Bö stand dicht vor dem Sieg.

Beim zweiten Schießen patzte Fourcade. Gleichzeitig schoss Johannes Thingnes Bö bereits zum dritten Mal schnell und fehlerfrei - der Norweger lag unter dem Jubel der Fans lange auf Goldkurs. Doch ein einziger Fehler beim letzten Schießen - es war nur ein Millimeter - brachte Bö um alle Chancen. Denn die Österreicher Dominik Landertinger und Simon Eder überraschten mit jeweils null Fehlern und schnellen Läufen. Nach dem 4. Schießen lag Fourcade ganze 0,3 Sekunden vor Landertinger. Der Dauer-Weltmeister von Oslo behauptete sich am Ende mit 5,1 Sekunden Vorsprung. Eder wurde Dritter, 14,4 Sekunden dahinter. J. T. Bö wurde nur Vierter - zum dritten Mal in Oslo. Wenn man bedenkt, dass er im Rennen nach drei Schießen vorne lag, dann hat er sich den Titel "Tragischer Held" redlich verdient.

Fourcade: "Schmerz hast Du nur einmal"

Das Podest beim WM-Einzel (v. li.): Dominik Landertinger, Martin Fourcade, Simon Eder (10.3.16)

V. li.: Dominik Landertinger, Martin Fourcade und Simon Eder

Österreich holte erstmals seit 2011 wieder WM-Medaillen. Eders Vater Alfred hatte vor 30 Jahren selbst WM-Bronze gewonnen. Landertinger, in diesem Jahr noch ohne Podestplatz, holte sich seine drittes WM-Medaille. Mehr war nicht drin: "Ich wäre fast nicht mehr ins Ziel gekommen, so sehr habe ich draufgedrückt. Mir ist schwindlig geworden, ich war komplett am Limit. Ich wüsste nicht, wo ich auch nur eine halbe Sekunde noch herausholen hätte können", so der Hochfilzener im ORF. Für Fourcade war es nach dem Mixed, dem Sprint und dem Vefolger schon das vierte Gold von Oslo. Er sagte im ZDF: "Es war unheimlich hart. Einer aus meinem Team sagte: Schmerz hast nur du einmal, aber die Befriedigung hast Du für immer. Daran musste ich heute denken." Auch in seinem Heimatland Frankreich, lange eine Biathlon-Diaspora, wird Fourcade langsam bekannt. Die Sport-Tageszeitung "L'Equipe" verglich ihn jüngst mit den absoluten Größen der französischen Sportwelt.

Simon Schempp chancenlos

Simon Schempp beim WM-Einzel von Oslo (10.3.16)

Es ist nicht die WM von Simon Schempp.

Der größte deutsche Hoffnungsträger Simon Schempp hatte keine Medaillenchance. Schon nach 2,5 km lag er 25 Sekunden hinter der Spitze. Das Schießen tat ein übriges: Da ging der allererste Schuss daneben. Statt vorne mitzumischen, lag Schempp da bereits fast 1:30 Minute zurück. Später kam immerhin nur noch ein Fehler dazu. Beim Laufen war er fast zwei Minuten langsamer als Fourcade. Rang 16 war es am Ende. Schempp sagte: "Ich bin nicht zu schnell losgelaufen. Ich wollte noch Kraft haben für die letzten zwei Runden. Läuferisch war es heute aber ohnehin nicht mein bester Tag."

Doll läuferisch super

Benedikt Doll lief wie so oft sehr schnell, schoss aber nicht gut genug, um in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Das erste Schießen saß noch, dann aber kam jeweils ein Fehler dazu. Drei Strafminuten waren einfach zu viel. Auch wenn er bei der Laufleistung im Bereich von Fourcade lag. Der Jüngste im deutschen Quartett wurde 13.

Birnbacher verabschiedet sich im Einzel mit Rang neun

Andreas Birnbacher beim WM-Einzel von Oslo (10.3.16)

Andi Birnbacher

Andi Birnbacher, der gerade sein Karriereende verkündet hat, war ähnlich wie Schempp vorsichtig angegangen.Trotz null Fehlern lag er nach dem 1. Schießen schon 30 Sekunden zurück. Ein erneutes fehlerfreies Schießen spülte ihn allerdings auf Rang fünf. Am Ende blieb es bei dem Fehler - Birnbacher wurde 9.. Der Schlechinger sagte: "Ich hab versucht das Rennen zu genießen. Die Schmerzen haben das Vorhaben aber teilweise auch verdrängt." Für die Staffel am Samstag wurde Birnbacher nicht nominiert. Ob er er am Sonntag im Massenstart antritt, ist noch offen. Alle fünf deutschen WM-Teilnehmer wären aufgrund ihrer Weltcup-Platzierung qualifiziert. Der DSV darf aber wie jeder andere Verband nur vier Starter nominieren. "Wir werden nach der Staffel darüber entscheiden, wer die Plätze bekommen wird", sagte Kirchner.

Olympia-Zweiter Lesser bester Deutscher

Erik Lesser beim WM-Einzel von Oslo (10.3.16)

Erik Lesser

Der Olympia-Zweite im Einzel, Erik Lesser, bewies wieder am Donnerstag einmal, dass er zu Großereignissen topfti ist. Der Frankenhainer schoss nur einmal daneben. Ganz nach vorne kam er zwar nicht, aber als Siebter wurde er immerhin bester DSV-Läufer. Ganz zufrieden war Lesser aber nicht: "Meine Laufzeit war heute nicht so wie ich mir es vorgestellt habe. Am Ende habe ich die Geschwindigkeit nicht halten können. Wenn ich den Fehler wegrechne - dann hätte ich es dennoch nicht auf das Podium geschafft."

Vierter Streich und Überraschungen - die Bilder vom Einzel

Fabulous Fourcade - der französische Überflieger hat auch das vierte Rennen bei der WM in Oslo gewonnen. Aber es gab auch Unerwartetes. Die besten Bilder vom 20-km-Rennen.

Biathlon-WM, Einzel Herren

Es gibt sie doch noch, die Überraschungen bei der WM. Und damit ist nicht gemeint, dass sich der Holmenkollen nach dichtem Nebel am Morgen noch fein rausgeputzt hat - und Athleten und Zuschauern einen Blick von Oslos Hausberg auf die atemberaubende Fjordlandschaft gewährte.

Es gibt sie doch noch, die Überraschungen bei der WM. Und damit ist nicht gemeint, dass sich der Holmenkollen nach dichtem Nebel am Morgen noch fein rausgeputzt hat - und Athleten und Zuschauern einen Blick von Oslos Hausberg auf die atemberaubende Fjordlandschaft gewährte.

Nein, das ist keine Überraschung: Auch das 20-Kilometer-Einzelrennen wurde vom französischen Überflieger Martin Fourcade dominiert.

Zum Lohn gab es dafür am Abend bereits die vierte Goldmedaille. Nun winkt der Grand Slam, mit der Staffel am Samstag und dem Massenstartrennen am Sonntag können Titel fünf und sechs dazukommen - das ist bisher noch keinem Athleten gelungen.

Die Überraschung sind diese beiden Herren hier. Die Österreicher Simon Eder (li.) und Dominik Landertinger. Beide haben schon Olympia-Silber und -Bronze mit der Staffel und einige Weltcupsiege gefeiert - zu den heißen Medaillenanwärtern zählten sie dennoch nicht.

Da hatte man doch eher die ganze Phalanx der norwegischen Gastgeber auf der Rechnung, wie z.B. Emil Hegle Svendsen, der im Einzelrennen schließlich schon Olympiasieger und Weltmeister wurde.

Und natürlich gibt es im deutschen und russischen Team heiß gehandelte Medaillenfavoriten - beide Herren-Teams sind ja noch ohne Medaille in einem Einzelrennen. Doch Simon Schempp (re.) und Anton Schipulin laufen hier nicht nur in Spiegel-Gleichschritt - sie laufen auch gleichzeitig an der Medaille vorbei.

Schempp - vor der WM als Favorit auf mehrere Titel gehandelt - wird mit zwei Schießfehlern 16. Er ist damit schlechtester Deutscher. Nach dem Rennen sagte er frustriert: "Ich habe mir mehr vorgenommen. Läuferisch bin ich nicht in der Verfassung, in der ich gerne wäre und in der ich auch schon war." Nach mehreren Infekten in diesem Jahr "ist es vielleicht irgendwann so weit, dass man es nicht mehr kompensieren kann." Trotzdem hoffe er auf einen Erfolg beim Massenstart.

Längst nicht so unzufrieden wie Schempp ist Benedikt Doll, der hier von Co-Trainer Andi Stitzl auf der Strecke das Fehlerbild vom ersten Stehendschießen angezeigt bekommt. Doll wurde mit drei Fehlern 13. und sagte nach dem Rennen: "Drei Fehler sind für ein Einzel zu viel. Mit einem Fehler weniger wäre es ein richtig gutes Ergebnis geworden. Ich will aber nichts an dem Wettkampf aussetzen. Nachdem Sprint und Verfolger wirklich enttäuschend waren, bin ich doch heute zufrieden." Doll lief die zweitbeste Laufzeit und machte dafür die Tempoarbeit von Fourcade (re.) verantwortlich, an den er sich ranhängen konnte.

Ein besonderes Rennen war das Einzel für Andreas Birnbacher - das letzte Einzel seiner Karriere. Mit den Namen seiner Kinder auf seinen beiden Schuhen startete er und hoffte am Platz seines ersten Weltcupsieges insgeheim auf eine Medaille. Mit einem Fehler reichte es immerhin für die Top 10.

Birnbacher, der hier im Finish mit dem 30 Sekunden vor ihm gestarteten Esten Roland Lessing kämpft, wird Neunter. Weil er im Massenstart am Sonntag nicht startberechtigt ist, könnte das Einzel sein letztes Rennen gewesen sein. Eine Chance bleibt noch: Die Staffel am Samstag - ob er ran darf, entscheidet sich Freitag. Nach dem Einzel sagte Birnbacher: "Ich wollte das Rennen genießen. Genießen und ein gutes Rennen machen, ist schwierig. Aber mir ist die Balance, glaube ich, ganz gut gelungen. Ich bin sehr zufrieden."

Bester Deutscher wurde Erik Lesser - mit nur einem Schießfehler stehend. Als Siebter fehlten dem Thüringer am Ende allerdings knapp zwei Minuten auf das Podest. Trotzdem war Bundestrainer Kirchner mit der Mannschaftsleistung zufrieden: "Es gab schon durchaus Rennen, in denen ich mich mehr geärgert habe, auch hier in Oslo. Wir haben alle vier Athleten in die Top 16 gebracht. Das hat keine andere Nation geschafft. Bei der WM haben alle auch ihr bestes Einzel der Saison abgliefert." Damit ist auch gleich das Ziel formuliert: Eine Medaille mit der Staffel!

Nicht nur die Deutschen bissen sich erneut an Fourcade, der sogar am Berg großen Spaß zu haben scheint, die Zähne aus.

Der umjubelte Altmeister Ole Einar Björndalen wurde mit zwei Fehlern hinter Schempp 17., ...

... als bester Russe wurde Jewegeni Garanitschew (re.) Achter.

Und dieser norwegische Nachwuchs und seine Schneemänner konnten auch keine Medaille für den stark laufenden Johannes Thingnes Bö feiern.

Johannes Thingnes Bö setzte seinen allerletzten Schuss um 1 Millimeter daneben - und wurde Vierter. Ohne Strafminute hätte es zum Sieg gereicht.

So schafften es zwei Österreicher auf das Podest - und zwar, weil sie fehlerfrei blieben. So wie Linkshänder Simon Eder hier ...

... überzeugte auch Dominik Landertinger. Nach einer verkorksten vergangenen Saison stieg Landertinger zum ersten Mal seit fast anderthalb Jahren wieder aufs Podest.

Eder, der immer wieder bei Großveranstaltungen knapp an Medaillen vorbeigerauscht war und hier von Trainer Wolfgang Korosec angefeuert wird, feierte seine erste Einzelmedaille bei einer WM.

Da hat sich doch die ganze Kraxelei über Oslo gelohnt.

Stand: 10.03.2016, 21:38 Uhr

cke | Stand: 10.03.2016, 21:10

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