Das war die Biathlon-WM: Rennsemmeln, Flirts und das Motto der Königin

Das war die Biathlon-WM: Rennsemmeln, Flirts und das Motto der Königin

Von Dirk Hofmeister, Hochfilzen

Die aus deutscher Sicht überaus erfolgreiche Biathlon-WM 2017 ist Geschichte. Wir blicken zurück. Mit Hilfe einer Bildergalerie und den Buchstaben von "A" wie Acht bis "Z" wie Zuschauer. Mittendrin: Burli, eine Rennsemmel, ein Eklat, ein Flirt, ein qualmendes Gewehr und ein deftiges Motto.

Biathlon-WM A bis Z

A wie Acht: So viele deutsche Medaillen wie noch nie. Die Krise der deutschen Biathleten von Olympia 2014 ist endgültig überwunden. Mehr noch: Mit Laura Dahlmeier, die allein fünf Goldene und einmal Silber gewann, führt das deutsche Team eine Athletin an, die über Jahre dominieren könnte (siehe auch Q wie Queen).

A wie Acht: So viele deutsche Medaillen wie noch nie. Die Krise der deutschen Biathleten von Olympia 2014 ist endgültig überwunden. Mehr noch: Mit Laura Dahlmeier, die allein fünf Goldene und einmal Silber gewann, führt das deutsche Team eine Athletin an, die über Jahre dominieren könnte (siehe auch Q wie Queen).

B wie Burli: Einem Eichhörnchen nachempfunden hoppelte Maskottchen "Burli" zehn Tage durchs Stadion und an der Biathlonpiste entlang. Das natürliche Habitat dieses Tierchens war die Umgebung der Zuschauer - tausende Selfies entstanden.

C wie Champagner-Shower: Ja, sind wir denn hier bei der Formel 1? Die Medaillengewinner bekamen als zusätzlichen Preis eine Flasche regionalen Sekt, "den Champagner Tirols", wie der Sprecher bei der Siegerehrung nicht ohne Stolz verkündete. Benedikt Doll und Martin Fourcade nutzten die klebrige alkholische Flüssigkeit nach dem Sprint der Herren erstmals, um sich gegenseitig nass zu machen. Ein neuer Brauch war geboren. Besonders ekstatisch duschten die deutschen Damen nach ihrem Staffelsieg.

D wie "Do we have other questions?": Pressekonferenzen sollten ja dafür dienen, dass die Sportler die Fragen der Journalisten beantworten. So gab es nach jedem Rennen eine Pressekonferenz mit den drei Erstplatzierten. Und ein Ritual. Der Pressechef des Weltverbandes stellt drei Fragen an jeden Gewinner oder jede Gewinnerin. Danach fragt er an alle Journalisten in die Runde "do we have other questions?" Meistens meldet sich kein Journalist. Sobald die Pressekonferenz aber offiziell beendet ist, strömen alle Journalisten auf die Sportler ein. Auf der Jagd nach scheinbaren Exklusiv-Infos.

E wie Eklat: Die WM begann turbulent, mit einem Dopingverdacht gegen das kasachische Team und mit einem Eklat nach der Mixed-Staffel. Weil das drittplatzierte russische Team Martin Fourcade verdächtigte, als Protest gegen den Start von Dopingsünder Alexander Loginow den Russen über den Haufen gefahren zu haben, verweigerte es dem Franzosen bei der Siegerehrung den Handschlag. Daraufhin verließ Fourcade die Siegerehrung. Der Eklat war da. Ein paar Tage später versöhnten sich der Sprachführer der Russen, Anton Schipulin, und Fourcade. Per Handschlag war die Fehde begraben.

F wie Familientag: Etwas fürs Herz: Nach fast zwei Jahren Zwangspause wegen einer Erkrankung und anschließender Babypause lief die Weißrussin Darja Domratschewa in der Verfolgung auf das Podest. Die Medaille konnte sie am Abend gemeinsam mit Ehemann Ole Einar Björndalen feiern. Und nicht nur ihre eigene. Auch Björndalen, 43-jähriger Oldie im Biathlonzirkus, gewann eine Medaille. Am selben Tag. Ein wahrer Familientag. Und eine Story, die das gemeinsame Töchterchen Xenia vermutlich später noch öfter zu hören bekommt.

G wie Gold: Endlich Gold. Sechs Weltmeisterschaften versuchte Simon Schempp, eine Einzel-Goldmedaille zu gewinnen. Im letzten Rennen von Hochfilzen war es endlich soweit. Danach gefragt, was ihn an der Medaille am meisten freuen würde, sagte der Ruhpoldinger: "Dass ich in der Mixed Zone jetzt nicht mehr erklären muss, warum es bei mir nicht so gut läuft."

H wie Hitze: Und plötzlich war Sommer mitten im Winter. In der zweiten Woche stieg die Temperatur teilweise bis auf 15 Grad. "Ich dachte, ich würde Wintersport machen. Aber heute war das Sommersport", sagte Laura Dahlmeier nach ihrem Sieg im Einzel. Der Österreicher Daniel Mesotitsch begegnete den Temperaturen kreativ. Er ging einfach in kurzen Hosen und T-Shirt an den Start.

I wie Italien: Eine der Überraschungen der WM kam aus Italien. Nicht die höher gehandelte Dorothea Wierer oder einer der schnellen Herren sorgten für Italiens einzige Medaille. Alexia Runggaldier wurde im Einzel Dritte - und die 25-Jährige jubelte darüber wie eine Weltmeisterin.

J wie Jockey: Disk-Jockey Ötzi, in Kurzform DJ Ötzi, spielte bei der Eröffnung und gab die musikalische Marschrichtung vor. Zwei Wochen zwischen Helene Fischer, Andreas Gabalier, den Zillertaler Schürzenjägern und allem anderen, was die Schlagerwelt so an klebrigen Melodien hergibt. Am Stadion hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass Stöpsel in den Ohren der Athleten eher wegen der Musik bei der WM und weniger wegen der Lautstärke am Schießstand getragen wurden.

K wie Knockout: Zwei Mal ging Laura Dahlmeier bei der WM k.o. - natürlich nur im übertragenen Sinne. Nach ihrem Sieg im Einzel und mit der Staffel sackte die Weltmeisterin zusammen. Teamarzt Dr. Klaus Marquardt erklärte später, dass kein Grund zur Sorge bestehe. Niedriger Blutdruck und große Verausgabung sei für die Schwächeanfälle verantwortlich, die er nicht einmal Schwächeanfälle nennen wollte. Dahlmeier erholte sich tatsächlich schnell und gewann nach dem Einzel mit der Staffel und nach der Staffel dann auch noch den Massenstart.

L wie letztes Mal: Das letzte Mal bei einer WM? Routinier Björndalen dürfte nach Olympia im kommenden Jahr seine Karriere beenden. Ebenso wie Kaisa Mäkäräinen. Nach Platz drei im Massenstart deutete die 21-fache Weltcupsiegerin an, dass sie möglicherweise bei der nächsten WM nicht mehr dabei sein wird. "Umso schöner ist es, dass ich heute noch einmal zu einer WM-Medaille gelaufen bin", sagte die 34-jährige Finnin.

M wie Martin: Martin Fourcade. Der Überflieger der gesamten Saison und deutliche Weltcup-Spitzenreiter. Vor der WM sagte er, dass nur Goldmedaillen zählen würden. Bei den Titelkämpfen wurde ihm dann gezeigt, dass er doch nicht unschlagbar ist. Besonders am Schießstand patzte er relativ häufig (was nicht an den Rauchschwaden lag, die hier scheinbar aus seinem Gewehr kommen). Dennoch gewann er in fünf von sechs Rennen eine Medaille. Eine Goldene war auch dabei - in seinem Lieblingsrennen, der Verfolgung, ließ er der Konkurrenz keine Chance.

N wie nächste Station: Die nächsten großen Titelkämpfe sind keine WM, sondern die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea. Für Jekaterina Avvakumowa ist es dann eine Art eine Heim-WM, die gebürtige Russin wechselte erst kürzlich die Staatsbürgerschaft und ist jetzt Südkoreanerin. Sie ist zudem die große Hoffnung des südkoreanischen Teams, in Hochfilzen schaffte sie es im Einzel als Fünfte schon einmal in die Nähe der Medaillenränge - für die 26-Jährige das beste Ergebnis ihrer Karriere.

O wie O-Ton der WM: Gabriela Koukalova, Glamourgirl aus Tschechien, lieferte die beiden witzigsten O-Töne der WM. Erst lobte sie ihre Konkurrentin Laura Dahlmeier mit einem etwas überraschenden Vergleich. Nach ihrem Sieg im Sprint sagte Koukalova über Dahlmeier: "Sie ist schnell wie ein Pferd, ich hätte nie gedacht, dass ich sie besiegen kann." Später konterte sie den Norweger Johannes Thingnes Bö schlagfertig. Gefragt, was sich Bö für den Valentinstag wünsche, legte der Norweger den Arm um die neben sich sitzende Koukalova: "Ich brauche nichts, ich hab ja Gabi." Koukalova, die mit einem bekannten tschechischen Badmintonspieler liiert ist, antwortete: "Du musst noch etwas warten. Leider ist mein Mann noch da."

P wie Panne: Zumeist lief die WM problemlos ab, aber eine richtig deftige Panne gab es dann doch. Bei der Siegerehrung für die Staffel spielten die Veranstalter die falsche Hymne des siegreichen russischen Teams. Die Melodie der vor zehn Jahren abgeschafften Hymne aus der Jelzin-Ära erklang. Daraufhin sangen die Russen die richtige Hymne einfach a capella.

Q wie Queen: Eine neue Biathlon-Queen ist geboren. Laura Dahlmeier gewann in allen sechs WM-Rennen Medaillen, davon fünf Goldene. Insgesamt holte die bodenständige Bayerin elf WM-Medaillen in Folge - ein neuer Rekord. In der Form, in der sich Dahlmeier derzeit präsentiert, dürfte das nicht der letzte Rekord gewesen sein.

R wie Rennsemmel: Benedikt Doll, von Teamkollege Erik Lesser wegen seiner überragenden läuferischen Fähigkeiten "Rennsemmel" genannt, erlebte bei der WM seinen großen Tag. Im Sprint ließ er alle stehen, auch Überflieger Martin Fourcade, und gewann fast sensationell Gold. Ein Tag für die Ewigkeit.

S wie Schnee: Zehn Tage wunderbares Wetter mit Sonne und freiem Blick auf die Berge, die WM war zumeist von tollen äußeren Bedingungen gesegnet. Nur einen Tag schneite es und die Temperaturen sanken unter Null. Die deutschen Damen freute es, sie schnappten sich an diesem Tag die Goldmedaille

Sch wie "Scheiß da nix": Das Erfolgsgeheimnis von Laura Dahlmeier? Vielleicht ihr Lebensmotto "Scheiß da nix, dann feit da nix". Auf das Gewehr gedruckt und im Schaft versteckt ging die Oberbayerin mit der im Spruch verdeutlichten Leichtigkeit an den Start - und lief von Erfolg zu Erfolg.

T wie Test: Ein Test der besonderen Art, der Streckentest. Wie fühlt sich das eigentlich so an auf der Strecke, wie steil sind Anstiege und Abfahrten? Das wollte ARD-Hörfunk-Kollegin Corinna Fröschke wissen und machte sich auf die Zwei-Kilometer-Runde. Als sie ziemlich erschöpft ins Ziel kam, stand da Laura Dahlmeier und schnappte sich das Mikrofon für ein Interview. Erste Frage: "Warum schnaufen Sie so?"

U wie USA: Die erste Medaille in der Biathlongeschichte für die USA hat ein echter Typ gewonnen. Lowell Bailey - der schon 35-jährige Kämpfer gegen Doping. Der vor zwei Jahren seine Karriere schon beenden und Bisonfarmer werden wollte. Der geschätzt wird wie kaum ein anderer. Selbst Martin Fourcade sagte nach Gold für Bailey, er sei "wirklich zufrieden. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass mich eine Goldmedaille für jemand anderes so zufrieden machen würde".

V wie Verlierer: Überall Jubel und Medaillen, aber es gab auch Verlierer der WM. Marie Dorin Habert zum Beispiel. Die Französin, die bei den letzten beiden Weltmeisterschaften noch so erfolgreich war. Diesmal gab es "nur" zwei Staffelmedaillen. Ein Infekt plagte die Französin vor der WM, während der Titelkämpfe konnte sie sich nicht richtig erholen.

W wie Winterwunderland: Ohne Worte.

X wie eXtraordinary Congress: Das Thema Doping überschattete die WM, zumindest am Anfang. Im Hotel des kasachischen Teams wurde eine Hausdurchsuchung gemacht - die gefundenen Medikamente stellten sich aber als legal heraus. Direkt vor der WM tagte zudem ein außerordentlicher Kongress des Weltverbandes, wegen Doping. Über den Umgang mit dem russischen Team nach dem McLaren-Report wurde verhandelt. Als Ergebnis entzog man der russischen Stadt Tjumen die WM 2021. Zudem soll in Zusammenarbeit mit einer Athletenkommission über eine eventuelle Verlängerung von Dopingsperren gesprochen werden.

Y wie Yan Zhang: Die Chinesin hielt sich bei der WM mehr als beachtlich: Im so schwierigen Einzel überraschte sie mit nur einem Fehler und Rang 19. Die Junioren-Weltmeisterin von 2009 hatte ihre ersten Weltcup-Punkte 2013 in Oberhof holen können.

Z wie Zuschauer: Volkssport in Österreich ist ohne Frage der Alpinsport, daher schauten die Österreicher während der Biathlon-WM oft Richtung Schweiz, wo die Alpin-WM ausgetragen wurde. Aber auch in Hochfilzen steppte der sprichwörtliche Bär. An den beiden bestbesuchten Tagen strömten 22.000 bzw. 25.000 Zuschauer ins Stadion. So viel wie noch nie zuvor bei einer WM.

Stand: 20.02.2017, 19:17 Uhr

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